Gerste, Ronald D. Roosevelt und Hitler – Todfeindschaft und totaler Krieg - wissenschaft.de
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Gerste, Ronald D.

Roosevelt und Hitler – Todfeindschaft und totaler Krieg

„Als ich das Weiße Haus verließ, wusste ich, dass Hitler verloren hatte.“ Ende Juni 1935 war dies eine tollkühne Behauptung, bei allem Respekt vor der Intuition eines Thomas Mann, der damals dem ameri‧kanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt seine Sicht deutscher Zustände darlegen durfte. Und dennoch gab es gute Gründe für eine derartige Prognose. Mann hatte nämlich etwas erkannt, was auch heute noch von vielen Historikern nur naserümpfend und mit Vorbehalt zur Kenntnis genommen wird: dass einzelne Persönlichkeiten der Geschichte mitunter eine entscheidende Wende geben können. Was wäre wohl geschehen, so ließe sich den Skeptikern entgegnen, wenn nicht „FDR“, sondern irgendein Isolationist im Weißen Haus gesessen hätte und wenn England in den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges von dem Duo Chamberlain und Eduard VIII. geführt worden wäre?

Wie auch immer: Ronald D. Gerste schildert in seinem neuen Buch die Widerstände, die „FDR“ an der „Heimatfront“ überwinden musste, und erst recht die unermessliche Standfestigkeit, die ihm während eines mehrjährigen Kriegs abverlangt wurde. Dergleichen konnte nur ein charismatisch begabter Visionär leisten, zumal ein Großteil der politischen und publizistischen Elite in den USA das Land unbedingt aus dem Krieg heraushalten wollte – nicht zuletzt im Wissen darum, dass Krieg allzu oft eine Demokratie an der Wurzel schädigt.

Ob und in welcher Weise die Demokratie in den USA durch den „totalen Krieg“ und einen fast zehnjährigen Ausnahmezustand tatsächlich beschädigt wurde, kommt bei Gerste leider nicht zur Sprache. Zwar nimmt der Autor anfänglich diese Spur auf, verliert sie aber alsbald wieder aus dem Blick. Bedauerlich ist auch, dass viele neuralgische Punkte (von der seit 1941 betriebenen Konstruktion der Atombombe bis hin zu den Nachkriegsplanungen) allzu kursorisch oder ohne eine angemessene Würdigung neuerer Forschungsergebnisse behandelt, andere und vergleichsweise nebensächliche Aspekte wie die Rolle des „Atlantikfliegers“ Charles Lindbergh hingegen über Gebühr aufgewertet werden.

Insgesamt gesehen konzentriert sich Gerste auf die bekannten Wegmarken der Geschichte, thematisiert anschaulich und gut lesbar die beiderseitige Wahrnehmung diesseits und jenseits des Atlantiks, die „rhetorischen Fernduelle“ mit Hitler, die innenpolitischen Scharmützel in den USA und das oft nicht weniger komplizierte Ringen mit den Verbündeten Churchill und Stalin – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Rezension: Prof. Dr. Bernd Greiner

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Gerste, Ronald D.
Roosevelt und Hitler – Todfeindschaft und totaler Krieg
Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich 2011, 312 Seiten, Buchpreis € 29,90
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