Friedl, Kathrin Schulzeit – Wie’s früher war - wissenschaft.de
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Friedl, Kathrin

Schulzeit – Wie’s früher war

Die Schulzeit in den Volksschulen in der Steiermark zu Beginn und Mitte des 20. Jahrhunderts war für die Schülerinnen und Schüler alles andere als einfach. Mit vielen Berichten von Zeitzeugen lässt Kathrin Friedl in ihrem Buch „Schulzeit – Wie’s früher war“ das Leben der Schüler und Lehrer vor dem geistigen Auge des Lesers wiedeerstehen.

Oft fehlte es an Mahlzeiten, angemessener Kleidung oder einem Paar warmer Schuhe. Zur Erntezeit wurden viele Kinder als Helfer eingesetzt und von der Schule beurlaubt. Freizeit, wie sie heutige Kinder nach Schulschluss genießen dürfen, gab es damals kaum – lediglich auf dem Schulweg hatten die Kinder Zeit für sich selbst. Zuhause angekommen, wurden sie gleich zur Arbeit eingeteilt. Der oft beschwerliche Schulweg dauerte häufig über eine Stunde – ganz zu schweigen von widrigen Wetterbedingungen im Winter, wenn Schnee und Eis die Wege nahezu unpassierbar machten.

Auch wenn es schon damals Mobbing gegeben hat, bei dem hochbegabte oder weniger reinliche und materiell schlechter gestellte Kinder von der Klassengemeinschaft ausgegrenzt wurden, blieb den meisten Zeitzeugen die Schulzeit in guter Erinnerung.

Wie heutzutage gab es Lehrer, die als ungerecht wahrgenommen wurden und, wie damals üblich, zudem zu drakonischen körperlichen Bestrafungen griffen oder Schüler beschimpften. So musste es ein Zeitzeuge erdulden, sich von seinem Oberlehrer als „Arbeiterschwein“ beschimpfen zu lassen.

Nicht unerwähnt bleiben allerdings auch diejenigen Lehrer, die wegen ihrer Menschlichkeit und ihres hervorragenden Unterrichts von ehemaligen Schülern in liebevoller Erinnerung gehalten werden. Viele dieser Lehrer gewannen ihr Ansehen, indem sie sich für ihre Schüler einsetzten und ihren Eltern nahelegten, ihre Kinder nach der Volksschule die Schullaufbahn fortsetzen zu lassen. Der Widerstand der Eltern gegen Bildung war durch Vorurteile und wirtschaftliche Gründe motiviert: Bildung stand im Wertesystem der ländlichen Bevölkerung gemeinhin hinter der Arbeit auf dem heimischen Hof zurück.

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Die Lehrerinnen und Lehrer werden nicht nur in den Erzählungen der ehemaligen Schüler porträtiert, sie kommen auch selbst zu Wort. Für sie war es oftmals ein schwieriges Unterfangen, mit der eigenen kurzen Ausbildung, die oft im Anschluss an das Abitur nur ein Jahr dauerte, der 60 köpfigen Klassen Herr zu werden. Mit dem Anschluss Österreichs 1938 veränderte sich das Schulwesen. Lerninhalte und Methodik wurden auf die Parteilinie der NSDAP ausgerichtet. Während des Turnunterrichts wurde beispielsweise das Werfen von Handgranaten geübt. Militärische Disziplin und Denunziantentum hielten Einzug ins Klassenzimmer. Die vormals christliche Ausrichtung der Pädagogik verschwand mehr und mehr und wurde zumindest teilweise durch den Personenkult um Adolf Hitler ersetzt.

Kathrin Friedl beschreibt in ihrem Buch „Schulzeit“ hauptsächlich die Schulerinnerungen der Großelterngeneration. Obwohl die Erzählungen allesamt von österreichischen Schülerinnen und Schülern stammen, ist sehr wohl zu erkennen, dass sich die Erfahrungen auf andere ländliche Regionen des deutschsprachigen Raums übertragen ließen.

Eine wissenschaftliche Bearbeitung der Schul- und Alltagsgeschichte der Steiermark ist dieses Buch sicherlich nicht. Vielmehr, schreibt Kathrin Friedl in ihrem Vorwort, sei es ihr Anliegen, „dem Leser und der Leserin eine Vorstellung von dem zu vermitteln, was gewesen ist und uns heute sehr fern scheint.“

Rezension: Jannik Tuinte

Friedl, Kathrin
Schulzeit – Wie’s früher war
Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2010, 180 Seiten, Buchpreis € 19,90
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