Barbara Beuys Sophie Charlotte – die Musengöttin Berlins - wissenschaft.de
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Barbara Beuys

Sophie Charlotte – die Musengöttin Berlins

dam0718bue06.jpgSophie Charlotte, als Ehefrau Friedrichs I. erste Königin in Preußen, war intelligent und begabt. Sie liebte die Kunst, das Theater, die Philosophie und die Musik. Virtuos spielte sie das Cembalo. Ihr gelang es mehr als anderen ihrer Zeit- und Schicksalsgenossinnen, ihre Talente umzusetzen und ihre Ambitionen zu verwirklichen. Nicht umsonst gilt sie als Schöpferin eines „Musenhofs“
in ihrem Sommerschloss Lietzenburg, dem heutigen Schloss Charlottenburg.

Ihre standesbewusste Mutter Sophie von der Pfalz hatte sich eigentlich eine Verheiratung ihrer einzigen Tochter an den französischen (oder einen anderen führenden) Hof gewünscht, denn Sophie hatte als Tochter des Winterkönigs den traumatischen Absturz ihrer Familie erlebt und suchte diesen nun durch vorteilhafte Eheschließungen ihrer Kinder zu kompensieren. Auch der Vater, Ernst August, Herzog von Braunschweig-Lüneburg und Bischof von Osnabrück, war voller Ehrgeiz. Doch immerhin, der Brandenburger Friedrich hatte die Kurwürde zu bieten, und so wurde die Ehe 1684 in Schloss Herrenhausen bei Hannover geschlossen.

Die Journalistin Barbara Beuys hat Sophie Charlotte eine farbig erzählte Biographie gewidmet. Sie schildert Kindheit und Jugend ihrer Protagonistin, die diese, auf der kleinen Iburg bei Osnabrück geboren, später im weit repräsentativeren Schloss Herrenhausen bei Hannover verbringen konnte, denn 1679 hatte Ernst August die Herrschaft über das Kurfürstentum Hannover geerbt.

Die erfolglose Reise von Mutter und Tochter an den französischen Hof, die ermüdenden Heiratsverhandlungen, schließlich die prunkvolle Hochzeit, die erlösende Geburt eines Thronfolgers, aber auch die manchmal wenig inspirierende Ehe – über all das sind wir und damit auch die Autorin gut unterrichtet, denn zum Glück für die Nachwelt schrieb man damals fleißig Briefe.

Ein weiterer Hauptteil ist Sophie Charlottes Wirken in Berlin gewidmet, ihrer erfolgreichen Rochade gegen den mächtigen und intriganten Oberpräsidenten Eberhard von Danckelmann, ihren Kontakten zu Gottfried Wilhelm Leibniz, mit dem sie die wissenschaftliche Akademie zu Berlin gründete, aber auch ihren anregenden Salons, die sie auf Lietzenburg fernab dem höfischen Zeremoniell veranstaltete. Kultureller Höhepunkt waren jedoch die Feierlichkeiten im Jahr 1701, als Preußen die Königswürde erlangte. Schließlich war die vielseitige Sophie Charlotte in diplomatischer Mission unterwegs. Viel zu früh, mit erst 37 Jahren, starb sie.

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Alles in allem gelingt Beuys ein anschauliches Lebensbild der ungewöhnlichen Frau, wenn es sie auch ganz gewiss nicht, wie im Klappentext behauptet, „in einem ganz neuen Licht“ zeigt. Schon lange sind in Wissenschaft und der Öffentlichkeit Sophie Charlottes Meriten bekannt – nicht umsonst trägt eine große jährliche Veranstaltung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften seit 2006 den Namen „Salon Sophie Charlotte“.

Rezension: Dr. Heike Talkenberger

Barbara Beuys
Sophie Charlotte
Preußens erste Königin
Insel Verlag, Berlin 2018, 398 Seiten, € 24,–

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