Liebmann, Irina Stille Mitte von Berlin – Eine fotografische Spurensuche rund um den Hackenschen markt - wissenschaft.de
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Liebmann, Irina

Stille Mitte von Berlin – Eine fotografische Spurensuche rund um den Hackenschen markt

Straßen und Plätze können Geschichte(n) erzählen. Davon ist die Autorin Irina Liebmann überzeugt. Anfang der 1980er Jahre hat sie das Viertel um den Hackeschen Markt in Berlin fotografiert. Was zunächst als Material für einen Roman gedacht war, ist zu einer ungewöhnlichen Fotoserie geworden. Lange waren die Vorarbeiten zu diesem Buch in Vergessenheit geraten und erst unter dem Eindruck der Terroranschläge des 11. September in New York wieder aufgetaucht. Liebmann blickte unter diesen Empfindungen zurück in eine Zeit, in der sie schon einmal das Gefühl hatte, an einer Zeitwende zu stehen. Ihre Gedanken und Erinnerungen zum Alltagsleben sind deshalb lesenswert, weil sie eine Seite des Viertels zeigen, die ganz im Gegensatz zum heutigen Hackeschen Markt mit seinen belebten Straßen und Geschäften steht.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: In einem begleitenden Essay, der die erste Hälfte des Buches einnimmt, geht die Schriftstellerin ihren eigenen Erfahrungen nach, als sie in diesem Viertel zu DDR-Zeiten lebte, und erzählt damit zugleich seine Geschichte. Bewohner, die sie befragt hat, erinnern sich beispielsweise an alte Kaufmannsläden und an das Schicksal jüdischer Familien unter den Nationalsozialisten. Zeitungsausschnitte regen Liebmann dazu an, über die politische Situation in der DDR nachzudenken. Damit sind im Buch mehrere Zeitebenen dargestellt, die nicht immer klar voneinander getrennt sind. Dies macht die Lektüre leider streckenweise ebenso schwer wie die häufige und oft abrupte Mischung von Zitaten, erlebter Rede und den Überlegungen der Autorin.

Die Fotografien im zweiten Teil des Buches zeigen zerbröckelnde Häuser, Hinterhöfe, vernagelte Schaufenster, nasses Straßenpflaster, Trabis am Straßenrand. Die Spurensuche, die Suche nach Stagnation, Zerfall und Neuem, die Liebmann schon im ersten Teil des Buches betrieb, wird durch die Fotografien noch greifbarer. Zusammen mit dem einleitenden Essay entsteht eine in sich stimmige Darstellung der damals noch „Stillen Mitte von Berlin“.

Rezension: Carmen Fischer

Liebmann, Irina
Stille Mitte von Berlin – Eine fotografische Spurensuche rund um den Hackenschen markt
Berlin Verlag, Berlin 2009, 112 Seiten, Buchpreis € 19,90
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