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Hartwin Brandt

Suche nach Akzeptanz

dam0122bue01.jpgDie Geschichte der römischen Kaiserzeit aus der Feder des Bamberger Althistorikers Hartwin Brandt reicht bis zum Regierungsantritt Diocletians im Jahr 284 n. Chr. Sie ist Teil des seit 1885 im C. H. Beck Verlag erscheinenden „Handbuchs der Altertumswissenschaften“. Die in dieser Reihe veröffentlichten Titel bieten auf einem soliden gelehrten Unterbau faktensichere Information.

Der Autor betont demgemäß das wissenschaftliche Fundament seines Werks und setzt es von Büchern ähnlichen Umfangs ab, wobei er von Michael Sommers Darstellung irreführenderweise nur die undokumentierte „Volksausgabe“, nicht aber die mit Anmerkungen versehene „Römische Geschichte II“ (Kröner Verlag 2009) anführt.

Das konzeptionelle Problem einer Darstellung dieser Epoche ist in der Welt, seit Theodor Mommsen eine sterile Kaiser- und Hofgeschichte von einem Panorama des Reichs in Gestalt seiner Provinzen geschieden hatte. Im Handbuch ist zum letzteren Thema ein eigener Band vorgesehen, weswegen sich Brandt auf die kaiserliche Regierungspraxis, das Handeln der dem Kaiser zuarbeitenden Akteure, die Kommunikationsmechanismen sowie das nicht Geplante im Wirken der Herrscher konzentriert.

Hierbei chronologisch, nach Kaisern und Dynastien, zu verfahren, überzeugt ebenfalls. Nur so wird hinreichend deutlich, wie sich die Verhältnisse änderten, wie etwa 100 Jahre nach dem Auftreten von Octavian (dem späteren Augustus) unter den Flaviern Herrschaft und Regierung stabilere Gestalt gewannen.

Brandt bezeichnet die politische Ordnung mit einem gegenüber der neueren Forschung etwas bemüht abgesetzten Begriff als „Akzeptanzbedürfnissystem“. Den roten Faden seiner Darstellung bildet also die gelingende oder misslingende Kommunika-tion der Herrscher mit den wichtigen Gruppen der stadtrömischen Bevölkerung (also Senat, Prätorianergarde und Plebs), mit den römischen Bürgern in Italien und jenseits davon sowie schließlich mit den Bewohnern der Provinzen.

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Geschickt plaziert Brandt die Erörterung wichtiger genereller Gesichtspunkte bei einzelnen Kaisern. Rom erfuhr unter Augustus eine „Monarchisierung des Stadtbildes“, unter Trajan eine „Imperialisierung“. Wo das überaus anspruchsvolle, weil aus sehr verschiedenen Voraussetzungen erwachsene Herrschaftssystem (Prinzipat) bestimmte Optionen erprobte und wo es mehr oder minder entgleiste, zeigt der Autor an Caligula, Nero und Domitian: drei Varianten von „Autokratisierung“.

Brandt verdeutlicht, wie die sogenannten Adoptivkaiser von Nerva bis Mark Aurel – bei allen Unterschieden und Entwicklungen – im Grunde die Etablierung des Prinzipats durch Augustus spiegelten. Die severischen Kaiser sind unter dem Stichwort „Dynastie“ gefasst, während die Anhäufung von Krisen im halben Jahrhundert der „Soldatenkaiser“ als Ausdruck von „Akzeptanzverlust“ transparent gemacht wird.

Leider hat es Brandt versäumt, die Epoche in die Wissenschaftsgeschichte, die Globalhistorie oder in postkoloniale Debatten einzuordnen. Auch die römische Kaiserzeit ist als Gegenstand eben nicht länger selbstverständlich – gleichwohl aber in ihren Kontexten spannender denn je.

Rezension: Prof. Dr. Uwe Walter

Hartwin Brandt
Die Kaiserzeit
Römische Geschichte von Octavian bis Diocletian 31 v. Chr. bis 284 n. Chr
Verlag C. H. Beck, München 2021, 707 Seiten, € 98,–

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