Haak, Sebastian The Making of The Good War – Hollywood, das Pentagon und die amerikanische Deutung des Zweiten Weltkriegs 1945-1962 - wissenschaft.de
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Haak, Sebastian

The Making of The Good War – Hollywood, das Pentagon und die amerikanische Deutung des Zweiten Weltkriegs 1945-1962

Darauf muss man erst einmal kommen – einen monströsen Krieg mit Millionen von Toten als Good War zu adeln. Amerika macht es auch in diesem Fall möglich. Spätestens seit Mitte der 1990er Jahre und im Gefolge der Film- und Fernsehproduktionen von Tom Brokaw sowie der historiographischen Großleinwandgemälde von Stephen E. Ambrose ist die Rede vom Good War zu einem Alltagsbegriff geworden, zusammen mit den Lobpreisungen der Greatest Genera‧tion, die in dieser Zeit Ameri‧kas Lasten schulterte. Die verschlungenen Pfade dieser Zuschreibung rekonstruiert Sebastian Haak in seiner kulturwissenschaftlichen Studie über Hollywood und die Kooperation der Filmindustrie mit dem Pentagon. Überzeugend ist Haaks These, dass die Erzählung vom besten Krieg aller Zeiten einen doppelten Nährboden brauchte, um sich durchsetzen zu können. Erstens ist die politische Kultur der USA seit jeher von positiven Vorstellungen über Krieg und Gewalt durchdrungen, genauer gesagt, von kathartischen Visionen über die moralisch reinigende und stärkende Kraft von Gewalterfahrungen. Zweitens restaurierte der Kalte Krieg diese mentale Disposition: Mit der beispiellosen bürokratisch-politischen Aufwertung des Pentagon wurden nämlich auch die Kontakte zur Kulturindustrie ausgebaut, abzulesen an der Vielzahl von Weltkriegsfilmen, die zwischen 1945 und 1962 auf den Markt geworfen wurden. In welcher Weise diese Filme die Meistererzählung fortschrieben und warum sie dennoch nicht immer dem Bild einer Ordnung und Zukunft stiftenden Gewalt entsprachen, arbeitet der Autor überzeugend heraus. Ob damit auch die Verfestigung des Good-War-Mythos hinreichend erklärt ist, steht freilich auf einem anderen Blatt. Gerade die mit dem Vietnam-Krieg verbundene Erschütterung sinnstiftender Selbst- und Fremdbilder hätte eine stärkere Beachtung verdient gehabt. Auch die seit den 1960er Jahren tobenden „Kulturkriege“ sollten nicht unterschätzt werden, stehen sie doch nicht zuletzt für den Kampf um die historische Deutungshoheit des „weißen Mannes“. An dieser Stelle ist Sebastian Haaks Ansatz ausbaufähig.

Abschließend ein Hinweis, der zwar nicht ins Zentrum dieser Arbeit zielt, aber dennoch angebracht ist. Die modische Neigung, alles und jedes als „Aushandlungsprozess“ zu charakterisieren, erschöpft sich nicht allein in raunender Suggestion; sie geht vor allem an der machtbesetzten Dimension sozialer Beziehungen vorbei. Mit einem angemessenen Lektorat hätte man mühelos Abhilfe schaffen können. Aber diese Seite des Verlagsgeschäfts ist, von einer Handvoll Ausnahmen abgesehen, leider nur noch im Konjunktiv zu schreiben.

Rezension: Prof. Dr. Bernd Greiner

Haak, Sebastian
The Making of The Good War – Hollywood, das Pentagon und die amerikanische Deutung des Zweiten Weltkriegs 1945-1962
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn/München/Wien/Zürich 2013, 331 Seiten, Buchpreis € 44,90
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