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Holger Sonnabend

Tiberius, der „traurige Kaiser“

dam0721bue02.jpgGaius Octavius, der Adoptivsohn Caesars und spätere Augustus, schloss am 19. August 14 n. Chr. für immer die Augen. Wer darauf gewettet hätte, dass sein Nachfolger Tiberius heißen würde, wäre lange Zeit ausgelacht worden. Augustus hatte in seinem langen Leben eine stattliche Reihe von Verwandten zu Nachfolgekandidaten aufgebaut: erst seinen Neffen Marcellus, dann den Freund und Schwiegersohn Agrippa, schließlich dessen ältesten Sohn, seinen Enkel Gaius Caesar. Jedes Mal hatte ihm Gevatter Tod einen Strich durch die Rechnung gemacht.

So war am Ende nur Tiberius übriggeblieben, der wenig geliebte Stief- und Adoptivsohn des Augustus, der Sohn seiner Gattin Livia. Dieser war mit der einzigen Tochter des Augustus, Julia, unglücklich verheiratet. Und doch: Erst durch die, von einzelnen Unruhen am Rhein abgesehen, reibungslose Nachfolge entwickelte sich der Prinzipat von der außerordentlichen, im Grunde usurpierten Alleinherrschaft eines Einzelnen zum politischen System, das seine Legitimität über Jahrhunderte behaupten konnte.

Tiberius, „der traurige Kaiser“, wie ihn der israelische Althistoriker Zwi Yavetz nannte, steht auch historiographisch im Schatten des großen Vorgängers. Dass sein Leben reichlich Stoff für eine Monographie hergibt, zeigt der neue Band in der Reihe „Historische Biographie“ des Verlags wbg Philipp von Zabern, zu der der Althistoriker Holger Sonnabend bereits ein Buch über Nero beigesteuert hat. Die von ihm verfasste Tiberius-Vita zeichnet sich durch flotten Sprachduktus und einen Anmerkungsapparat aus, der das Weiterlesen in den Quellen ermöglicht.

Sonnabend stößt seine Leser mitten hinein in das problematische Leben seines Helden: Er beschreibt, wie der 67-jährige Tiberius 26 n. Chr. die Hauptstadt Rom gegen die luxuriöse Villa Iovis auf der kleinen Insel Capri eintauschte, wo er sich ganz den angenehmen Seiten des Lebens hingab. Es sollte ein Abschied für immer sein: Tiberius haderte mit den Menschen und wollte die Regierungsgeschäfte in Rom seinem Prätorianerpräfekten Sejan überlassen. Doch dem stieg die Allmacht zu Kopfe. Von Sejan wurden Statuen in Rom errichtet, als wäre er selbst der Kaiser, seinen Geburtstag beging man als Feiertag, und für die Einheirat in die kaiserliche Dynastie war längst alles vorbereitet.

Doch ganz plötzlich, fünf Jahre nach seinem Rückzug, stellte Tiberius den Prätorianerpräfekten kalt und ließ ihn hinrichten. Sejan hatte den Bogen überspannt. Der Kaiser mochte fern von Rom sein, aber er war politisch noch immer handlungsfähig.

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Sonnabend schildert diese Krise im Jahr 31 wie auch alle anderen Stationen auf dem Weg des Tiberius zur Herrschaft und dessen Wirken als Herrscher packend und dicht an den Quellen. Abstraktion ist die Sache des Autors allerdings nicht, und so bleibt die auch für Einsteiger wichtige Frage nach der Bedeutung der 23-jährigen Herrschaft des Tiberius für die Geschichte des Imperiums leider letztlich unbeantwortet. Schade, denn es hätten sich dann tiefere Einsichten in den römischen Prinzipat und die Geheimnisse dieses politischen Systems erschlossen.

Rezension: Prof. Dr. Michael Sommer

Holger Sonnabend
Tiberius
Kaiser ohne Volk
Verlag wbg Philipp von Zabern, Darmstadt 2021, 272 Seiten, € 30,–

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