Monica Kristensen Tod im ewigen Eis - wissenschaft.de
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Monica Kristensen

Tod im ewigen Eis

dam0719bue10.jpgRoald Amundsen war schon zu seinen Lebzeiten eine Legende: Ihm gelang als Erstem die Durchfahrt durch die Nordwest-Passage vom Atlantik zum Pazifik, vor allem aber erreichte er als Erster vor seinem Rivalen, dem britischen Polarforscher Robert Falcon Scott, 1911 den Südpol. Amundsen avancierte zum norwegischen Nationalhelden. Umso bewegender ist es, dass sein Tod dagegen bis heute geheimnisumwittert ist.

Im Juni 1928 war Amundsen mit einigen Gefährten Richtung Nordpol aufgebrochen, um den Italiener Umberto Nobile zu retten, der mit seinem Luftschiff „Italia“ bei einer Arktis-Expedition abgestürzt war. Bei diesem Rettungsversuch kam Amundsen vermutlich in der Arktis nahe der Bäreninsel ums Leben, doch weder er und seine Begleiter noch sein Flugboot vom Typ Lantham 47-II konnten bislang gefunden werden. Lediglich einige Teile des verunglückten Fahrzeugs tauchten auf.

Die norwegische Polarforscherin und Schriftstellerin Monica Kristensen hat jetzt ein packendes Buch über Amundsens letzte Reise geschrieben. Als exzellente Kennerin der Materie schildert sie die dramatischen Ereignisse mit vielen technischen, nautischen und geographischen Einzelheiten, aber auch mit Sinn für spannendes Erzählen und mit psychologischem Feingefühl. So beschreibt sie differenziert Amundsens Motivlage für seine Rettungsaktion: Einerseits glaubte dieser, es seinem langsam verblassenden Ruhm als Polarheld schuldig zu sein, sich auf die gefährliche Mission zu begeben. Andererseits war Amundsen krebskrank und hatte sich mit seinem ehemaligen Mitstreiter Nobile eigentlich überworfen.

Am Anfang des Buchs stehen jedoch der italienische General und Luftschiffpionier Nobile und seine Expedition im Mittelpunkt. Der Polpunkt wurde erreicht – ein großer Propagandaerfolg auch für das faschistische Italien, doch auf dem Rückweg geschah die Katastrophe: Das Luftschiff stürzte ab; Nobile und weitere Männer trieben nun hilflos auf einer Eisscholle vor Spitzbergen im Meer.

Der Wettlauf mit der Zeit entwickelte sich zum wahren Krimi. Kristensen lässt den Leser hautnah an der Verzweiflung der Gestrandeten, an Amundsens privater Mission wie auch an den anderen parallel verlaufenden Rettungsaktionen teilnehmen – bis die Lantham als verschollen gemeldet werden musste.

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Nach 47 Tagen wurde Nobile schließlich von dem schwedischen Piloten Einar Lundborg gerettet, seine überlebenden Schicksalsgenossen vom russischen Eisbrecher „Krassin“. Roald Amundsen aber wurde für tot erklärt. Vergessen ist er bis heute nicht.

Rezension: Dr. Heike Talkenberger

Monica Kristensen
Amundsens letzte Reise
btb Verlag, München 2019, 463 Seiten, € 22,–

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