Hans-Jürgen Kaack Todesfahrt oder Kapitulation? - wissenschaft.de
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Hans-Jürgen Kaack

Todesfahrt oder Kapitulation?

Am 13. Dezember 1939 traf das deutsche Panzerschiff „Admiral Graf Spee“ im Südatlantik auf drei britische Kreuzer. Dem Kommandanten, Kapitän zur See Hans Langsdorff (1894 – 1939), gelang es, sein beschädigtes Schiff in den neutralen Hafen von Montevideo zu retten. Die Regierung von Uruguay lehnte unter dem Druck der Briten die Bitte Langsdorffs um Werfthilfe ab.

Weil der Kapitän annahm, dass die Briten inzwischen vor dem Hafen einen überlegenen Verband von Kriegsschiffen zusammengezogen hatten, stand er vor der Wahl, entweder zu kapitulieren oder eine Todesfahrt zu befehlen. Tatsächlich steuerte Langsdorff die „Graf Spee“ in die Mitte der Mündung des Río de la Plata, evakuierte die knapp 1200 Mann Besatzung ins benachbarte Argentinien und sprengte das Schiff. Zwei Tage später erschoss er sich in Buenos Aires.

Das Ende der „Graf Spee“ ist eine packende, bewegende Episode der Marinegeschichte und ein diplomatischer Thriller. Hans-Jürgen Kaack hat nun mit Sachverstand, Akribie und missionarischem Geist die Biographie ihres Kommandanten verfasst. Dieser galt 1939 als einer der aufsteigenden Sterne in Hitlers Kriegsmarine. Dabei war Langsdorff kein ausgesprochener Nationalsozialist. Seine Laufbahn in der Kaiserlichen Marine und der Reichsmarine der Weimarer Republik wiesen ihn als fähigen Seemann, vor allem aber als einen durch seine Ministerialverwendungen ausgewiesenen Stabsoffizier aus.

Das Buch ist weitgehend aus der Literatur geschrieben. Rund 150 Briefe aus dem Privatbesitz der Familie bieten neue Einsichten in das Privatleben und das Weltbild von Langsdorff. Hier und da gerät die Darstellung etwas zu detailliert. Dass die Wohnung in Kiel zwei Bäder hatte und wie lang Langsdorff zwischen Wohnung und Dienststelle zu fahren hatte, interessiert nur den, der in Kiel wohnt oder die Pendlerpauschale geltend macht.

Auf der anderen Seite arbeitet Kaack das Dilemma des Kommandanten minutiös heraus. Nach einem unglücklich verlaufenden Gefecht fand sich dieser in einer unlösbaren Situation wieder: Die Erwartungen der Seekriegsleitung, die eigenen militärischen Möglichkeiten und das Verantwortungsgefühl des Kapitäns für seine Männer ließen sich nicht in Übereinstimmung bringen. Am Ende seiner ersten Feindfahrt war sein Schiff verloren, und er selbst war tot.

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Kaacks Aussage, die Bundesmarine habe Langsdorff bis heute „offiziell totgeschwiegen“, befremdet freilich etwas. Im Bestreben, der traditionsgebeutelten Bundeswehr einen Helden präsentieren zu wollen, schießt der Autor hier über das Ziel hin-aus. Dass dieser Hans Langsdorff aber ein fähiger Offizier und ein sittlich denkender Mensch war, liegt nach der Lektüre des Buchs auf der Hand.

Rezension: Dr. habil. Markus Pöhlmann

Hans-Jürgen Kaack
Kapitän zur See Hans Langsdorff
Der letzte Kommandant des Panzerschiffs Admiral Graf Spee. Eine Biographie
Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2019, 672 Seiten, € 68,–

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