Henke, Klaus-Dietmar (Hrsg.) Tödliche Medizin im Nationalsozialismus – Von der Rassenhygiene zum Massenmord - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Henke, Klaus-Dietmar (Hrsg.)

Tödliche Medizin im Nationalsozialismus – Von der Rassenhygiene zum Massenmord

Seit dem 19. Jahrhundert gab es, begünstigt durch den medizinischen Fortschritt und rassenideologische Weltan-schauungen, eine internationale Debatte darüber, wie die angebliche Verschlechterung des menschlichen Erbgutes generell und speziell der Niedergang der „weißen Rasse“ aufzuhalten seien. Es wurden auch bereits sehr konkrete Utopien einer positiven bzw. negativen Eugenik entwickelt, also Vorstellungen der „Züchtung“ und der „Ausmerze“ von Menschen, die auch die Tötung von ungeborenem und geborenem Leben enthielten.

Die Institutionalisierung in Gesellschaften und Forschungsinstituten sowie die „Verwissenschaftlichung“ der Rassenhygiene legen Zeugnis von der weiten Verbreitung dieses Gedankenguts besonders in Deutschland ab. Doch erst die nationalsozialistische Diktatur schuf die politischen Voraussetzungen für die Erhebung der Theorien der „Erbgesundheitslehre“ und der „Rassen-hygiene“ zur Staatsdoktrin.

Bei einer großen Anzahl von Ärzten und Wissenschaftlern stieß die menschenverach‧tende Gesundheitspolitik der Nationalsozialisten auf breite Zustimmung, so dass deren Umsetzung unter großer Beteiligung der Ärzteschaft rasch vorangetrieben werden konnte. Sie fand nach der Zwangssterilisation auf der Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (300000 Betroffene) und der Ermordung „Minderwertiger“ oder Kranker im Rahmen der Krankenmordaktion „T 4“ (über 200000 Opfer) ihren Höhepunkt in der Vernichtung von sechs Millionen europäischen Juden. Während im Nürnberger Ärzteprozess nur die Haupttäter der medizinischen Verbrechen zur Anklage kamen und verurteilt wurden, konnten viele der beteiligten Ärzte nach dem Krieg unbeschadet ihre berufliche Karriere weiterverfolgen.

Im vorliegenden Band wird die Dynamik dieser verhängnisvollen Entwicklung von der Zwangssterilisation bis zum Judenmord von international anerkannten Experten umfassend analysiert und allgemeinverständlich dargelegt. Die Beiträge widmen sich den politischen, gesellschaftlichen und psychologischen Handlungskontexten dieser Verbrechen ebenso wie den ethischen und juristischen Konsequenzen, die nach 1945 aus dieser „tödlichen Medizin“ gezogen wurden. Insgesamt ist hier ein bemerkenswerter Band entstanden, dessen Lektüre ohne jede Einschränkung empfohlen werden kann.

Rezension: Eckart, Wolfgang U.

Anzeige

Henke, Klaus-Dietmar (Hrsg.)
Tödliche Medizin im Nationalsozialismus – Von der Rassenhygiene zum Massenmord
Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2008, 342 Seiten, Buchpreis € 27,90
Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

ver|lo|ren  〈Adj.〉 1 vergeblich, nutzlos 2 einsam, verlassen ... mehr

ope|rant  〈Adj.; Psych.〉 ~e Konditionierung Form des Lernens, die durch die Konsequenzen einer Handlung (Erfolg od. Misserfolg) gesteuert wird [<lat. operans, ... mehr

sys|to|lisch  〈Adj.; Med.〉 die Systole betreffend, zu ihr gehörig ● ~er Blutdruck; ~e Hypertonie

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige