Trilobiten - wissenschaft.de
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Bücher

Trilobiten

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Autor: Richard Fortey-xxx- Verlag: C.H. Beck, München 2002-xxx- Seiten: 275-xxx- ISBN: 3406495923-xxx- Buchpreis: 24,90 Euro
Der britische Paläontologe Richard Fortey hat ein packendes Buch über verräterische Tierreste geschrieben.

275 Seiten über Trilobiten, diese hartschaligen Meerestiere, die vor 540 bis 250 Millionen Jahren lebten – ist das nicht eine Zumutung? Im Gegenteil: Richard Fortey, der Leitende Paläontologe am Londoner Natural History Museum, schreibt so fesselnd über seine Lieblingstiere, dass man das Buch gar nicht mehr weglegen mag. Die Begeisterung für die versteinerten Zeitzeugen hatte ihn schon mit 14 Jahren gepackt, als er an der irischen Küste sein erstes Exemplar fand. Die Suche nach den einstigen Meerestieren führte Fortey durch die ganze Welt, vom heißen australischen Outback bis ins kalte Grönland.

Trilobiten lebten schon zur Zeit der so genannten kambrischen Arten-Explosion und bevölkerten die Erde über eine größere Zeitspanne als die Dinosaurier. Dabei entwickelten sie einen großen Artenreichtum und passten sich an verschiedenste Lebensräume an. Manche hausten in der finsteren Tiefsee, andere im seichten Küstenschlick, einige schwammen frei im Wasser, andere krochen über den Meeresgrund. Ihre Entwicklung ist ein Schlüssel zum Verständnis der Evolution und gibt Einblicke in Veränderungen von Klima und Vegetation. Fortey lässt mit Hilfe der Trilobiten rund 300 Millionen Jahre Erdgeschichte lebendig werden, und er rekonstruiert anhand ihrer Funde sogar die Wanderung der tektonischen Platten über die Erde.

Zunächst mussten freilich andere Forscher die Tiere und ihre Lebensweise erkunden. Das war nicht einfach, denn meist sind nur deren Schalen erhalten geblieben. Fortey erzählt den Krimi, wie Wissenschaftler das Rätsel der fehlenden Beine lösten. Wie sie aussahen und dass es sie überhaupt gab, kam nur ans Licht, weil in seltenen Versteinerungen auch die Weichteile Abdrücke hinterlassen hatten.
Und dann die Augen – Forteys Lieblingsthema: Die Linsen der Trilobiten bestehen aus dem Kalkmineral Kalzit, wie das übrige Skelett auch. Sie sind also in den fossilen Resten gut zu erkennen. Ihre Vielfalt ist so groß wie die Zahl der ökologischen Nischen, in denen die Urtiere Platz fanden. Es gibt Augen für helle und dunkle Umgebung, für schnelle Schwimmer und langsame Kriecher. Fortey schaut durch diese raffinierten Ur-Linsen auf die fremdartige Welt des Paläozoikums.

Ganz nebenbei erfährt man, wie mühsam es ist, die kleinen Fossilien zu finden und aus dem Stein zu lösen. Wer dieses Buch gelesen hat, will vermutlich selbst einen Trilobiten haben – ein ganz persönliches Exemplar zum Anfassen und Bestaunen.

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Klaus Jacob, bdw-Autor für Geowissenschaften

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