Bajohr, Frank „Unser Hotel ist judenfrei“ – Bäder-Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert - wissenschaft.de
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Bajohr, Frank

„Unser Hotel ist judenfrei“ – Bäder-Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert

„Borkum der Nordsee schönste Zier/bleib du von Juden rein/laß Rosenthal und Levysohn/in Norderney allein”. Dieser Vers des „Borkum.Liedes”, der keineswegs aus der Zeit der Nazi-Herrschaft, sondern aus dem Kaiserreich stammt und täglich von der Kurkapelle gespielt bzw. auf Postkarten weit verbreitet wurde, ist ein beredter Beleg für das Untersuchungsfeld, dem sich der Hamburger Historiker Frank Bajohr in seinem neuesten Buch mit dem Titel „Unser Hotel ist judenfrei” gewidmet hat: dem Bäder-Antisemitismus. Nicht nur Borkum, auch andere Seebäder an der Nord- und Ostsee sowie Kurorte im Harz oder im Schwarzwald bekundeten seit 1870 zunehmend, daß bei ihnen jüdische Gäste nicht willkommen seien. Diese Haltung radikalisierte sich in den 1920er Jahren. Wer es dennoch wagte, als Jude diese Orte aufzusuchen, wurde öffentlich angegriffen. Dabei war es kein Zufall, daß es vor allem die neueren Badeorte an der Nordseeküste mit vorwiegend kleinbürgerlich-mittelständischem Publikum und naturverbundenem Image waren, die sich judenfeindlich gerierten, denn diese suchten sich so erfolgreich gegen die traditionsreichen, weltoffenen und damit judenfreundlichen Bäder wie das im Liedtext genannte Norderney durchzusetzen. Bedrückend deutlich kann Bajohr herleiten, wie tief verwurzelt der Antisemitismus in weiten Teilen der Bevölkerung schon lange vor Hitler war, wobei er klarstellt, daß der Bäder-Antisemitismus auch außerhalb Deutschlands, etwa in den USA, verbreitet war.

Rezension: Talkenberger, Heike

Bajohr, Frank
„Unser Hotel ist judenfrei“ – Bäder-Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2003, 233 Seiten, Buchpreis € 12,90
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