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Matthies, Volker

Unternehmen Magdala – Strafexpedition in Äthiopien

Er war der vielleicht mächtigste afrikanische Herrscher seiner Zeit, Kaiser Theodor II. von Äthiopien, und er forderte die Königin der mächtigsten europäischen Nation heraus, Viktoria, Herrscherin über das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland (und seit 1876 Kaiserin von Indien). Der Anlass war eher banal – ein unbeantworteter Brief –, und gerade deshalb ist er so aussagekräftig für das europäisch-afrikanische Verhältnis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Theodor II. war Königin Viktoria eigentlich wohlgesonnen, hatte ihr ein Bündnis angeboten – sie als Christen gegen die Muslime – und ihr deshalb geschrieben, von Gleich zu Gleich. Doch sie (bzw. ihre Regierung) hatte nicht einmal geantwortet! Zum einen, weil es nicht ins strategische Kalkül des Vereinigten Königreichs passte, zum anderen, weil man Afrikanern nicht einfach antwortete.

Theodor II. war tief gekränkt und nahm britische Diplomaten und andere Europäer als Geiseln. Nachdem jahrelange Verhandlungen über eine friedliche Beilegung des Konflikts zu keinem Ergebnis geführt hatten, beschloss die britische Regierung – auch aus Furcht vor einem Prestigeverlust gegenüber den anderen europäischen Mächten – eine Militärintervention. 1867 machten sich 60000 Mann mit 30000 Lasttieren (darunter Lastelefanten) auf den beschwerlichen Weg von Indien nach Ostafrika und schließlich zur Bergfestung Magdala, wo sich Theodor verschanzt hatte. Unter anderem wurde eigens eine Eisenbahn zur Entladung der Schiffe und zur Versorgung der Kampftruppen gebaut.

Dieser gewaltigen Streitmacht konnte der äthiopische Kaiser nicht standhalten. Er ließ die Geiseln frei, weigerte sich aber, sich zu unterwerfen. Beim anschließenden Sturm auf Magdala nahm sich Theodor am 13. April 1868 das Leben. Mit dem nachfolgenden Rückzug des anglo-indischen Expeditionskorps endete die Strafexpedition ohne dauerhafte Besetzung des Landes; manche modernen Beobachter nannten sie die erste „humanitäre Intervention“ der Geschichte.

Man kann Volker Matthies, Politikwissenschaftler, Konfliktforscher sowie ausgewie-sener Kenner Ostafrikas, nur dankbar sein, dass er der deutschen Öffentlichkeit dieses nahezu vergessene Kapitel des frühen Imperialismus auf meisterliche Weise ins Gedächtnis zurückruft. Es ist beeindruckend, wie er dabei kulturgeschichtliche Aspekte (so begleiteten Wissenschaftler und Kriegsberichterstatter den Tross) mit alltagsgeschichtlichen sowie politischen Fragen verknüpft. Der – spektakuläre – Einzelfall bietet so Einblick in grundlegende Phänomene des afrikanisch-europäischen Verhältnisses in der Zeit vor der tatsächlichen Aufteilung Afrikas unter den europäischen Kolonialmächten.

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Rezension: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer

Matthies, Volker
Unternehmen Magdala – Strafexpedition in Äthiopien
Ch. Links Verlag, Berlin 2010, 195 Seiten, Buchpreis € 24,90
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