Münch, Matti Verdun – Mythos und Alltag einer Schlacht - wissenschaft.de
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Münch, Matti

Verdun – Mythos und Alltag einer Schlacht

Verdun. Der Name allein assoziiert eine ungeheure Materialschlacht um wenige Meter Boden, ein grausames Abschlachten, einen unerbittlichen Stellungskrieg unter pausenlosem Trommelfeuer. Allgemein gilt Verdun als kriegswendendes Fanal, als entsetzlichstes Ereignis des Ersten Weltkriegs.

Mit der Dissertation „Verdun. Mythos und Alltag einer Schlacht“ legt Matti Münch, Lehrer am Gymnasium Haigerloch im Zollernalbkreis, erstmals eine Arbeit vor, die sich explizit dem Mythos Verdun widmet, ihn kritisch hinterfragt und seine Entstehung und Entwicklung nachzeichnet.

Münch gliedert seine Analyse des Verdun-Mythos in drei Teile. Als Grundlage für die weiteren Ausführungen beschreibt er auf den ersten 340 Seiten ausführlich den Frontalltag bzw. die Lebensform Schützengraben. Das Ergebnis dieser Analyse ist die schlichte Feststellung, daß die Lebensform an der Maas nicht einzigartig war, sondern mit anderen Schlachtfeldern übereinstimmte. Münch konstatiert folglich, daß der Mythos Verdun nicht in der Sache selbst begründet ist.

Der kurze zweite Teil widmet sich den posttraumatischen Nachwirkungen der Schlacht bei Verdun und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Es gibt keine überzeugenden Beweise für ein eigenständiges Verdun-Trauma, das vom übrigen Kriegsgeschehen zu trennen wäre.

Die letzten 135 Seiten widmen sich der Rezeptionsgeschichte der Schlacht bei Verdun. Die These, daß die unmittelbaren Zeitgenossen Verdun bereits mythisch verklärt hätten, ist, laut Münch, nicht haltbar. Allein das Fundament wird gelegt, auf dem während der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus aufgebaut wird. Die Mythisierung Verduns wäre also vor allem von rechten Kreisen vorrangetrieben worden.

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Münch bedient sich eines gut lesbaren und verständlichen Stils. Der Band gibt eine Vielzahl relevanter Quellen im Zitat wieder und zeichnet sich folglich durch hohe Anschaulichkeit aus. Die Breite des verwandten Quellenmaterials ist erfreulich: Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Regimentsgeschichten, nach Kriegsende erschienene Autobiographien und Zeitungsausschnitte bilden den Quellenfundus, aus dem Münch schöpft.

Der Umgang mit den Quellen läßt jedoch einige methodische Probleme offenbar werden: Die Auswahl der Quellen erscheint willkürlich und folgt keiner erkennbaren Systematik. Zuweilen fehlt quellenkritische Distanz. Zitate zeitgenössischer Romanhelden tauchen neben Tagebuchauszügen auf und werden als gleichwertiger Beleg für „reale“ Begebenheiten herangezogen.

Die Rezeptionsgeschichte erfährt, im Verhältnis zum Frontalltag, zu wenig Aufmerksamkeit. Dies ist insbesondere deshalb zu bedauern, da Münch interessante Fragen zum Verdun-Mythos aufwirft und seine Grundthese der Ausdifferenzierung des Mythos durch rechte Kreise plausibel erscheint.

Rezension: Sommer, Christopher

Münch, Matti
Verdun – Mythos und Alltag einer Schlacht
Verlag Martin Meidenbauer, München 2006, Buchpreis € 59,90
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