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Gero Schreier

Verehrte Ritterhelden

dam0719bue05.jpgDie Umbruchphase des Spätmittelalters war gekennzeichnet durch eine Spannung zwischen adligen Traditionen und den gewandelten Zeitumständen. Da waren Orientierungsangebote willkommen. Die in Freiburg vorgelegte Dissertation von Gero Schreier stellt die Verehrung niederadliger Ritterhelden als solch ein Orientierungsangebot vor. Mit diskursanalytischem Rüstzeug nimmt der Autor dabei sowohl die „Heldenmacher“ wie die Verehrergruppen ins Visier.

Die Quellenbasis bilden die von der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an bis ins dritte Viertel des 16. Jahrhunderts von Adligen verfassten Lebensberichte der Adelsheroen Bertrand du Guesclin, Jacques de Lalaing, Georg von Ehingen, Wilwolt von Schaumberg, Pierre de Terrail, Seigneur de Bayard und Georg von Frundsberg. Diese Quellen werden angereichert durch zeitgenössische theoretische, didaktische und politische Texte zum Rittertum.

Der Verfasser fragt vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Debatten um Adel und Rittertum, welche Taten und Eigenschaften den Helden zugeschrieben wurden, um die spezifisch adlige Deutungstradition von Rittertum, Adel und Gewalt herauszuarbeiten. Das adlige Selbstverständnis, in dem persönlicher Einsatz, militärische Tüchtigkeit und im Streit erworbene Ehre zentral waren, sah sich im Verlauf des Spätmittelalters konkurrierenden Wertesystemen ausgesetzt, die Fürstendienst und Gemeinwohl betonten. Diese anderen Werte manifestierten sich in kritischen Stimmen, die statt persönlicher Ehre den gemeinen Nutzen als Orientierung propagierten.

In den biographischen Modellierungen herausragender Krieger konnten die traditionellen Vorstellungen fortgeschrieben und den neuen Bedingungen und Herausforderungen angepasst werden. Sie zeichnen ein Bild eines in Herkunft und Lebensform traditionell verknüpften kriegerischen Adels mit unzweifelhafter militärischer Kompetenz – bis hin zur Imagination einer adligen Autonomie gegenüber den Fürsten. Anhand dreier Beispiele versucht der Verfasser, die Relevanz solcher Heldenbilder für bestimmte soziale Kreise herauszuarbeiten.

Adelshelden werden – was angesichts des von Schreier ausschnitthaft wiedergegebenen Forschungsstandes nicht überrascht – nicht als Symptome einer Krise, sondern als Anzeichen und Ausdruck (wenn nicht sogar Mittel) einer Phase der Anpassung und Neuorientierung gedeutet. Die Funktion der Helden wird so eingehend und nachvollziehbar analysiert. Die Nutzung der Heldenbilder in verschiedenen Milieus und unter bestimmten Konfigurationen sowie der Gebrauch unterschiedlicher Medien dabei verdiente jedoch noch eine weitere Bearbeitung.

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Rezension: Prof. Dr. Mark Mersiowsky

Gero Schreier
Ritterhelden
Rittertum, Autonomie und Fürstendienst in niederadligen Lebenszeugnissen des 14. bis 16. Jahrhunderts
Thorbecke Verlag, Ostfildern 2019, 396 Seiten, € 52,–

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