VOM ERSTEN TAG AN ANDERS - wissenschaft.de
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VOM ERSTEN TAG AN ANDERS

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Autor: Simon Baron-Cohen-xxx- Verlag: Walter Verlag, Düsseldorf, Zürich, 2004-xxx- Seiten: 336-xxx- ISBN: 3-530-42174-X-xxx- Buchpreis: € 19,90
Was ist im Gehirn eines Kindes los, bevor es mit den gängigen Geschlechterklischees in Berührung kommt? Simon Baron-Cohen gibt eine verblüffende Antwort.

Nach zahlreichen Experimenten mit Babys und Kleinkindern, nach Tierversuchen und Messungen pränataler Hormonspiegel ist Simon Baron-Cohen überzeugt: Das Frauenhirn, der „E-Typ“, wird schon im Mutterleib auf Einfühlung programmiert, das Männerhirn, der „S-Typ“, dagegen auf systematisches Denken.
Gesteuert werde diese Spezialisierung der Evolution genetisch sowie vor allem durch die Testosteron-Produktion während und nach der Schwangerschaft: Je niedriger der Testosteron-Spiegel, um so einfühlsamer und sprachbegabter werde das Kind; je höher der Wert, um so geringere Sozialkompetenzen und um so spezialisiertere Interessen werde es später entwickeln. Simon Baron-Cohen, Autismusforscher und Professor für Psychologie und Psychiatrie am renommierten Trinity-College in Cambridge, erklärt damit unterschiedliche Fähigkeiten, Beschäftigungen und Aggressivitäten von Männern und Frauen, aber auch die Prioritäten in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Das Gehirn von Autisten ist demnach die Extremform des männlichen Denkorgans: hoch systematisch, aber zur Empathie unfähig.
Sicher eine radikale These, die die Ansicht vieler Hirnforscher bestätigt, wonach sich der Schaltplan für das spätere Denken schon sehr früh ausbildet. Sie liegt im Trend, mit immer ausgeklügelteren Tests und bildgebenden Verfahren nach den neuronalen Grundlagen von Verhalten und Wahrnehmung zu suchen. Doch Baron-Cohen ist sich bewusst, dass er nur einen Teil der geschlechterprägenden Wirklichkeit beschreibt – und warnt vor simplen Schlüssen. Er hat durchaus im Blick, dass Jungen und Mädchen ungleich erzogen werden, was Unterschiede im Verhalten nach sich zieht. Und er betont, dass seine Ergebnisse lediglich statistische Durchschnittsgrößen repräsentieren. Natürlich gebe es überaus einfühlsame Männer und höchst systematisch denkende Frauen.
Anstatt sich also auf Vorurteile zurückzuziehen, rät er zum genauen Blick auf das Individuum – und zu einer entsprechenden Förderung. Sein Fazit: Die Gesellschaft braucht beide Gehirntypen.
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