Cassanelli, Roberto/Carbonell, Eduard (Hrsg.) Von Mohammed zu Karl dem Großen – Aufbruch ins Mittelalter - wissenschaft.de
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Cassanelli, Roberto/Carbonell, Eduard (Hrsg.)

Von Mohammed zu Karl dem Großen – Aufbruch ins Mittelalter

Nicht erst seit Henri Pirennes 1937 erschienenem Buch „Mahomet et Charlemagne” wird die Frage des Fortlebens mediterraner Kultur in der Übergangszeit von der Spätantike zum Frühmittelalter lebhaft diskutiert. In dem neuen, von Eduard Carbonell und Roberto Cassanelli herausgegebenen, in-ternationalen Gemeinschaftswerk mit dem an Pirenne erinnernden Titel „Von Mohammed bis Karl dem Großen” geht es vorrangig um die mediterrane Kunst.

Der erste Beitrag über Omayaden und Abbasiden führt in den frühen Islam ein (gerade in der aktuellen politischen Situation eine sehr nützliche Verständnishilfe!) und stellt die – auch aufgrund jüngster archäologischer Untersuchungen deutlicher gewordenen – höchst niveauvollen künstlerischen Leistungen vor. Die folgenden vier Artikel gelten der „Kunst der Barbaren auf dem europäischen Kontinent”: Nach einem Überblick über die politische Entwicklung vom 6. bis zum 8. Jahrhundert werden die westgotische Kunst mit ihrer „Renaissance” des 7. Jahrhunderts und das künstlerische Schaffen der Langobarden vorgestellt, schließlich die fränkische Kunst an einigen Grabkirchen und vor allem an reichem Material aus zahllosen geborgenen Grabbeigaben charakterisiert.

Anhand vieler großartiger Beispiele kann dann der Leser den Einfluß des Mittelmeerraumes auf die Kunst Britanniens und Irlands nachvollziehen und den Spuren byzantinischer und anderer östlicher Einflüsse auf die Malerei in Rom nachgehen. Der – zumindest in der deutschen Übersetzung – arg blumige Stil dieses Beitrags von Andalora ist etwas befremdlich. Um Byzanz und seine im späteren 9. Jahrhundert neu aufblühende Kunst und um die Bildkunst Syriens, Palästinas und Ägyptens vom 6. bis 10. Jahrhundert geht es in den nächsten Beiträgen. Dann folgt ein weitgespanntes Panorama über die karolingische Renaissance, wobei insbesondere auch die – keineswegs nur feindlichen – karolingischen Kontakte zur islamischen Welt und ihre kulturelle Bedeutung gewürdigt werden,. Der christlichen Kunst im Norden Spaniens nach dem Untergang des Westgotenreiches 711 und der dalmatischen Kunst, die aus den byzantinischen wie den karolingischen Welten schöpft, gelten weitere Artikel. Im letzten Beitrag wird zunächst kurz die atemberaubend schnelle Expansion des Islam geschildert und vor diesem Hintergrund die – sich vor allem in gewaltigen Moscheen und erlesenem Kunst-handwerk dokumentierende – Kunst in al-Andalus und Nordafrika gewürdigt. Knappe Anmerkungen und Literaturangaben zu den einzelnen Beiträgen beschließen den Band; ein Register fehlt leider.

Die Übersetzungen sind von unterschiedlicher Qualität, aber durchweg gut lesbar. Zum ästhetischen Genuß wird das Buch durch die Fülle der fast ausschließlich in Farbe hervorragend wiedergegebenen Abbildungen, die stets mit ausführlichen, instruktiven Legenden versehen sind. Häufig erlauben Detailaufnahmen aufschlußreiche Einsichten in die Bildaussagen. Von den kleinsten Einzelheiten langobardischer Goldblattkreuze über prächtige Codexseiten aus dem irischen Book of Kells (nicht Kelts!) bis zur gewaltigen Großen Moschee von Damaskus: Der Betrachter kann auf Entdeckungsreise rund ums Mittelmeer und weit darüber hinaus gehen und begegnet dabei auf Schritt und Tritt dem Austausch und der gegenseitigen Befruchtung weit voneinander entfernter und sehr unterschiedlicher Welten von Kunst und Kultur: höchst aufschlußreich für unsere Zeit, die so oft Inter- und Multikulturalität beschwört.

Rezension: Nonn, Ulrich

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Cassanelli, Roberto/Carbonell, Eduard (Hrsg.)
Von Mohammed zu Karl dem Großen – Aufbruch ins Mittelalter
Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2001, 264 Seiten, Buchpreis € 49,90
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