Hüppauf, Bernd Was ist Krieg? – Zur Grundlegung einer Kulturgeschichte des Kriegs - wissenschaft.de
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Hüppauf, Bernd

Was ist Krieg? – Zur Grundlegung einer Kulturgeschichte des Kriegs

Eine kurze Frage – und eine sehr lange Antwort. Auf rund 500 engbedruckten Textseiten macht uns Bernd Hüppauf – Emeritus für Literatur und Literaturtheorie der New York University und vielfach ausgewiesener Kulturhistoriker der Moderne – mit seiner Sicht der Dinge bekannt. Er will nichts weniger als das Forschungsfeld der Militärgeschichte neu ordnen und bestimmen, indem er sie als eine Kulturgeschichte des Krieges definiert. Wie lässt sich eine Disziplin begründen, mit der organi‧sierte Gewalt als eine Kulturgeschichte beschrieben und verstanden werden kann? Seine Antwort darauf beginnt wiederum mit einer Frage: Was meinen wir, so Hüppauf, wenn wir von „Krieg“ sprechen und den Begriff auf die Vergangenheit beziehen? Noch Clausewitz verstand als den inneren Kern des Kriegs einen Zweikampf, in dem die Gegner einander zu Boden ringen wollen, so dass schließlich der eine dem anderen seinen Willen aufzwingen kann. Dieser bis heute tradierten Bestimmung setzt Hüppauf die seine entgegen. Von Krieg könne man nur sprechen, wenn der physische Kampf von Bildern des Kämpfens gerahmt, von Strategien und Vorstellungen des Kampfes durchtränkt und durch Mythen und Rituale ergänzt wird. Kurz: Damit aus Mord und Totschlag der Krieg entsteht, sei der gesellschaftliche Diskurs nötig, oder noch anders gesagt: Kriege finden in den Köpfen der Menschen und Mächte statt, sie werden gedeutet, erfahren und erlebt und schließlich dem erinnernden Gedächtnis überantwortet. Diese verschiedenen Ebenen gilt es in einer Kulturgeschichte des Krieges zu untersuchen, die den Krieg in die kulturellen Zusammenhänge der Gesellschaften integriert. Zur Untermauerung dieser Einschätzung bezieht Hüppauf archaische Kriege mit ein, aber auch solche des 17. und 19. Jahrhunderts sowie den Ersten Weltkrieg, den ersten umfassend modernen Krieg des Industriezeitalters. Im vielleicht aufregendsten letzten Teil, dem „Ausblick“ auf gegenwärtige und kommende Kriege, werden schließlich auch der Krieg der Drohnen, der Cyberwar, Infowar, Lawfare (Zusammenziehung aus law und warfare, meint asymmetrische Kriege) behandelt. Das Buch ist keine leichte Kost – und eine schmalere, die Thesen pointiert zuspitzende Form hätte dem Anliegen des Autors mehr genützt. Aber die Lektüre, auch in Abschnitten, lohnt auf jeden Fall: Welch ein Reichtum an verarbeitetem Lese- und Quellenstoff, was für eine Weite des Überblicks über eine jahrtausendealte Geschichte des Krieges!

Rezension: Dr. Bernd Ulrich

Hüppauf, Bernd
Was ist Krieg? – Zur Grundlegung einer Kulturgeschichte des Kriegs
transcript Verlag, Bielefeld 2013, 568 Seiten, Buchpreis € 29,90
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