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Gunnar Decker

Was man in der DDR las und sah

dam0121bue12.jpgDer promovierte Philosoph Gunnar Decker arbeitet als Journalist sowie Publizist und ist Autor einiger beachteter Bücher. Sie sind in gefälligem Stil geschrieben, was auch für sein neuestes Buch gilt. Der Titel führt zunächst in die Irre, es wird nicht recht klar, zwischen welchen Zeiten sich der Autor bewegt, aber nach der Lektüre stellt er sich doch als richtig heraus: Es geht zwar um die „späten Jahre“ der DDR, aber die frühen werden ebenso miteinbezogen wie die erste Zeit nach der Wiedervereinigung.

Das Buch enthält drei Teile, die miteinander verwoben sind. Es finden sich autobiographische Splitter, die uns einen unzufriedenen Autor präsentieren, der die Wiedervereinigung lediglich als „Anschluss“ erlebt hat und dem die Revolution von 1989 auch nicht so richtig erinnerungswürdig zu sein scheint. Sie kommt jedenfalls nicht annähernd angemessen vor. Damit verbunden wird eine Geschichte der DDR in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre, doch die bieten andere Bücher sachgerechter.

Im Zentrum jedoch stehen drittens Lektüreerfahrungen und Wahrnehmungen des Autors. Gunnar Decker berichtet über Werke von ostdeutschen Schriftstellern, Dramatikern, Regisseuren, Fotografen und Malern. Hier weiß er mit vielen Hintergrundinformationen zu punkten. Ergänzt werden diese von seinen Reflexionen über Lektüren wichtiger sowjetischer Autoren, die in der DDR in Übersetzung herausgekommen waren.

Auch wenn sich vieles wie eine Zweitverwertung liest, nicht immer ein „roter Faden“ erkennbar ist und es gelegentliche Wiederholungen gibt – das Buch dokumentiert und demonstriert, was eine gar nicht so kleine Gruppe von jungen Menschen, darunter der Rezensent selbst, in den 1980er Jahren in der DDR las, diskutierte, anschaute und sah. Unterschiede gibt es eher darin, was man über das von Decker Geschilderte noch zur Kenntnis nahm, und vor allem, wie man darüber sprach. Leider fehlt die Musik bei Decker komplett; sie hätte so manche Leerstelle in seiner Darstellung füllen können.

Das Buch erklärt dem Leser nicht die letzten Jahre der DDR. Möchte man aber wissen, was in der DDR in den 1980er Jahren an bemerkenswerten Werken her-auskam, was offiziell gedruckt wurde und warum, was auch wirklich gelesen, angeschaut und debattiert wurde, so wird man hier bestens bedient.

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Man findet allerdings nicht die Gegendiskurse. Denn es fehlen fast völlig die in die DDR eingeschmuggelten oder durch die Westmedien ausgestrahlten Werke, auch die unterdrückte Literatur fehlt und fast die gesamte ausgewanderte Künstlergruppe mit wenigen Ausnahmen wie Wolf Biermann. Das Buch bietet also viele Gründe zum Staunen, im positiven wie negativen Sinn.

Rezension: Ilko-Sascha Kowalczuk

Gunnar Decker
Zwischen den Zeiten
Die späten Jahre der DDR
Aufbau Verlag, Berlin 2020, 432 Seiten, € 28,–

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