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Was sagt der Seehase?

Seehasen sind wie Menschen: Sie lösen Aufgaben deutlich schneller, wenn sie ausgeschlafen sind. Zum Beispiel wenn sie herausfinden sollen, wo ihr Lieblingsfutter, das Seegras, versteckt ist. Wurden sie in ihrer Nachtruhe gestört, schneiden sie am nächsten Tag deutlich schlechter ab. Neurobiologen lieben Seehasen, weil deren Nervenzellen gut zu untersuchen sind. Sie erforschen, wie diese Meeresschnecken mit ihren zwei fühlerähnlichen Gebilden am Kopf (die aussehen wie Hasenohren, daher der Name „Seehasen“) kommunizieren und Wasserbewegungen oder chemische Stoffe wahrnehmen. Auch Madlen Ziege mag Seehasen – genau wie Wildkaninchen, über deren Kommunikationsverhalten sie promoviert hat. Im Buch der Verhaltensbiologin geht es um die unterschiedlichsten Wege der Biokommunikation: Wer tauscht mit wem Informationen aus? Wie und warum?

Ob Pflanzen, Tiere oder Pilze, es geht immer um dasselbe: um Nahrung, Paarung und das Zusammenleben mit den Nachbarn. Als „Sprache“ dienen Farben, Formen, Bewegungen, Gerüche und Geräusche. Die Autorin erzählt von der Ackerschmalwand, auch als Gänserauke bekannt, die Fressgeräusche von Raupen „hören“ kann, von Sumpfkrebsmännchen, die sich anpinkeln, um zu riechen, wer der Stärkere ist, von trommelnden Schmetterlingen und von lügenden, zitternden und tanzenden Fischen.

Und mit wem tauschen sich Bakterien aus? Knöllchenbakterien zum Beispiel kommunizieren mit Hülsenfrüchtlern. Deren Wurzeln senden chemische Locksignale aus, weil sie Stickstoff brauchen, ihn aber nicht selbst aus der Luft ernten können. Die Bakterien verstehen mit ihren Rezeptoren die Signale, dringen in die Wurzeln ein und erledigen das Stickstoffgeschäft. Im Gegenzug bekommen sie Nahrung.

Das Buch steckt voller Informationen, und es macht Spaß, darin zu schmökern – was auch daran liegt, dass die Autorin Geschichten erzählt und absichtlich vermenschlicht. Souverän mischt sie Kuriositäten und biologisches Grundlagenwissen. Madlen Ziege ist ein Multitalent: Sie kann schreiben und ihre Protagonisten lebendig zeichnen. Man spürt, dass sie an Science Slams teilgenommen hat und wissenschaftliche Vorträge hält. Für alle, die es genauer wissen wollen, hängt sie ein ausführliches Literaturverzeichnis an.
Ilona Jerger

Madlen Ziege
KEIN SCHWEIGEN IM WALDE
Piper, 240 S., € 22,–
ISBN 978–3–492–05897–1

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