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Haas, Wolfdieter

Welt im Wandel – Das Hochmittelalter

Was hat Walther von der Vogelweide zu seiner Alterselegie (um 1228) veranlaßt, die Veränderungen seiner Zeit zu beklagen, das zerstörte Land und den „verhauenen“ Wald? Klingt hier der Ton einer Zeitstimmung durch? Wolfdietrich Haas nimmt die Dichtung Walthers als Einstieg und stimmt mit ihr den Grundtenor seines Buches an: Die Zeit von 1185 bis 1235 ist als Epoche eines tiefgreifenden Wandels zu sehen, in der sich die Wertvorstellungen auf allen Ebenen veränderten, die Bevölkerung anwuchs, der Landesausbau vorangetrieben wurde, die Armutsprediger und Reformer wie Franziskus oder Dominikus die Stimmung im Volk aufwühlten, die häretischen Bewegungen – allen voran die Katharer (Albigenser) – sich ausbreiteten, Technik, Bildung und Wissen neue Höhen erklommen und neue Institutionen, vor allem die Universitäten, enstanden, in der die Schriftlichkeit sprunghaft zunahm und die mathematischen Künste verfeinert wurden, die Kreuzzugsidee einen neuen Stellenwert in Kirche und Gesellschaft ausformte, die Ritterorden sich etablierten und die Mittelmeerpolitik zu einem Schwerpunkt der politischen Aktivitäten in Europa wurde. Hinzu kommen die neuen „Mechanismen“ der Territorialpolitik und der europäischen Machtpolitik mit ihren neuen Formen der Vertrags-, Bündnis- und Rechtspolitik, schließlich die Monetarisierung und das Finanzwesen, überhaupt die zunehmende Arbeitsteilung und die bürgerliche Kultur. In der Tat sind dies alles Entwicklungen und Erscheinungen, die diese Zeit um 1200 als besonders faszinierend erscheinen lassen, und man wird es gewiß als die große Leistung dieses Buches ansehen dürfen, daß ein Gesamtbild vom Zusammenwirken der neuen Kräfte und Ideen versucht wird. Ob sich die Zeit als alt, greisenhaft und zerstört empfunden hat, wird man freilich bezweifeln können. Die neue Aufbruchstimmung, die sich etwa in den geschichtstheologischen Deutungen Joachims von Fiore manifestierte, dürfte sich rasch durchgesetzt haben. Aber die Dichte des Wandels ist unumstritten und hatte enorme Auswirkungen auf das Selbstverständnis, die Heilssehnsucht und die Ordnungsmodelle der Menschen. Zwischen den tragenden Pfeilern der Ideen-, Wissens- und Vorstellungsgeschichte, die Anfangs- und Endkapitel des Buches ausmachen, wird die europäische Politik dieser Jahrzehnte ausgebreitet, große Partien des Buches der west- und südeuropäischen Geschichte gewidmet. Die Reichhaltigkeit an Themen und Aspekten wird – auf der Höhe des Forschungsstandes – gut gemeistert und zu einer angenehm lesbaren Darstellung geformt. Ein schönes Buch, rundum zur Lektüre zu empfehlen.

Rezension: Weinfurter, Stefan

Haas, Wolfdieter
Welt im Wandel – Das Hochmittelalter
Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2002, 453 Seiten, Buchpreis € 24,90
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