Bender, Peter Weltmacht Amerika – das Neue Rom - wissenschaft.de
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Bender, Peter

Weltmacht Amerika – das Neue Rom

Wenn es darum geht, die neue Stellung der USA als alleinige Welt- und Supermacht begrifflich zu fassen und in ihrer historischen Dimension samt aller Chancen und Gefahren zu bestimmen, wird seit einiger Zeit immer wieder auf das Römische Reich verwiesen, freilich meist aphoristisch, als bloße Idee, nicht in strenger Gedankenführung. Dem hilft jetzt Peter Bender ab; sein großer, unbedingt lesenswerter Essay skizziert vergleichend den Aufstieg der römischen Republik und der Vereinigten Staaten von lokalen Mächten in einer bevorzugten Insellage zum Imperium. Daraus ergibt sich gleich die nächste Parallele: Die gesellschaftlichen Strukturen und Normen begünstigten jeweils die Ausprägung einer Kultur der Expansion, wenn auch auf den verschiedenen Handlungsfeldern des Krieges beziehungsweise der Wirtschaft. Auf die Tatsache jedoch, daß sie ein Imperium beherrschten, ließen sich beide Akteure selbst erst verhältnismäßig spät ein. Den intellektuell stets redlichen Duktus des glänzend geschriebenen Buches mag eine kurze Passage illustrieren. Der Zweite Punische Krieg und der Zweite Weltkrieg, so heißt es da, seien „unvergleichbar, nur zweierlei rechtfertigt, sie nebeneinander zu stellen. Sie waren die schwersten, verlustreichsten und aufwendigsten Kämpfe, die Rom mit einem außeritalischen Gegner und die Vereinigten Staaten mit außeramerikanischen Gegnern zu bestehen hatten. Die zweite Gemeinsamkeit ist ihr Ergebnis: Römer und Amerikaner wurden zu den ersten Weltmächten ihrer Zeit.“ Wenn der Autor seinen Vergleich mit dem Zeitpunkt beschließt, als die „neurotischen Riesen“, notgedrungen oder bereitwillig, ihre neue Rolle als alleinige Weltmacht auszufüllen begannen, nämlich Rom in der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. und die USA heute, so besagt das zum einen, daß von einem historischen Buch keine Prognosen erwartet werden dürfen. Moralische Perspektiven, wie sie einst Herodot mit Blick auf das athenische Reich implizit formulierte, sind damit nicht ausgeschlossen. Denn das Weltreich diente in Rom zunächst einzelnen Potentaten zur Befriedigung ihrer innenpolitischen Machtambitionen; ordentlich regieren konnte Rom sein Imperium erst, als es seine angestammte politische Ordnung, die aristokratische Republik, aufgegeben hatte. Erst als Monarchie konnte Rom seinen Verpflichtungen gegenüber den Beherrschten gerecht werden. Benders Buch, eine der wichtigsten Neuerscheinungen nicht nur dieses Herbstes, lehrt freilich auch, daß die Zukunft der amerikanischen Ordnungsmacht nicht nach den Ergebnissen von sechs Monaten Besatzung im Irak beurteilt werden sollte.

Rezension: Walter, Uwe

Bender, Peter
Weltmacht Amerika – das Neue Rom
Klett-Cotta, Stuttgart 2003, 295 Seiten, Buchpreis € 19,50
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