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Jean-Claude Golvin/Gérard Coulon

Wer baute für Rom?

Die römischen Legionäre eroberten die Welt. Und wenn sie keine Kriege führten, haben sie gebaut. Straßen, Brücken, Kanäle oder Aquädukte zeugen bis heute von der Effizienz der Ingenieure und Arbeiter im Dienst des Militärs. Das neue Buch der französischen Archäologen und Architekten Gérard Coulon (Text) und Jean-Claude Golvin (Zeichnungen), die bereits bei den „Metropolen der Antike“ (auf Deutsch wbg Konrad Theiss Verlag 2019) ein bewährtes Team bildeten, beschreibt kompetent und informativ die architektonischen Leistungen römischer Militärs in Republik und Kaiserzeit.

Geographischer Schwerpunkt ist der Westen Europas. Jedoch finden auch Beispiele wie die antiken Kanalbauprojekte am Isthmus von Korinth oder die von Kaiser Trajan in Auftrag gegebenen Bauten am Eisernen Tor in den südlichen Karpaten Berücksichtigung. Die thematische Bandbreite reicht über diese Infrastrukturmaßnahmen hinaus bis zum Einsatz der Armee in Bergwerken und Steinbrüchen sowie bei der Anlage von Städten.

Wer sich für die technischen Einzelheiten des Bauens interessiert, wird in dem Buch bestens versorgt. Dabei sind Golvins farbige Aquarellzeichnungen von außerordentlichem Nutzen, da sie nicht nur illustrativen Charakter haben, sondern eine instruktive Ergänzung zu den Ausführungen im Text bilden. Aber auch die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge kommen nicht zu kurz. Zur Lebendigkeit und Anschaulichkeit tragen viele Zitate aus schriftlichen Quellen (Literatur, Inschriften, Papyri) bei. Sie zeigen, dass die Bauwerke neben ihren praktischen Zwecken die Funktion hatten, die Größe Roms zu demonstrieren und das Prestige der auftraggebenden Kaiser zu steigern.

Sie beweisen weiter, dass man bei diesen Arbeiten gern auf Soldaten zurückgriff, weil sie in Friedenszeiten nichts zu tun hatten und man sie, wie es der römische Historiker Tacitus drastisch formulierte, aus ihrem „faulen Leben“ herausholen wollte. Nicht alle waren davon begeistert. Es zählt zu den Stärken des Buchs, dass auch diese Stimmen Beachtung finden, jenseits des idealisierten Bildes ausschließlich hochmotivierter Soldaten, die zum Wohl der Menschen und zum Ruhm von Reich und Kaiser unermüdlich am Bau tätig waren. Auf einem Papyrus aus dem syrischen Bosra von 107 n. Chr. bekennt ein Legionär freimütig, froh zu sein, dass es ihm erspart blieb, Steine zu bearbeiten – und er vermutlich einer ruhigen Bürotätigkeit nachgehen durfte.

Ein lesens- und sehenswertes Buch, das die römische Baugeschichte aus einer anderen Perspektive betrachtet und dadurch viele neue Einsichten vermittelt.

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Rezension: Prof. Dr. Holger Sonnabend

Jean-Claude Golvin/Gérard Coulon
Die Architekten des Imperiums
Wie das Heer ein Weltreich erbaute
wbg Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2020, 176 Seiten, € 40,–.

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