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Jill Lepore

Wonder Woman und ihr Schöpfer

dam0722bue14.jpgDas Buch der Harvard-Historikerin Jill Lepore „These Truth“ (deutsch: Diese Wahrheiten. Eine Geschichte der Vereinigten Staaten) war nach seinem Erscheinen 2019 auch in Deutschland ein großer Erfolg. Was liegt also aus verlegerischer Sicht näher, als auch andere – ältere – Werke der Autorin zu übersetzen und auf den Markt zu bringen? Dies geschah nun mit Lepores (angeblich) geheimer Geschichte von Wonder Woman, einer Publikation, die in den USA immerhin schon vor acht Jahren erschien.

Wonder Woman Diana – vielleicht nicht jeder DAMALS-Leserin vertraut – ist eine Comic-Figur, die 1941 und damit drei Jahre nach Superman und zwei Jahre nach Batman das Licht der Welt erblickte. 1941 traten die USA in den Krieg ein, der damit ein echter Weltkrieg wurde. Unschwer zu erraten, wer Wonder Womans Feinde waren: die Schergen der Nazis und anderer Faschisten. Die weißen Sterne auf Dianas blauem Minirock waren eine Art Uniform, ein Stück stoffgewordener Patriotismus im Kampf gegen das Böse. Ein anderer Massenmörder der Epoche tritt im Kampf der Amazone für das Gute nicht auf: der von den USA geschätzte Verbündete Josef Stalin.

Dass das Böse auch im eigenen Land heimisch werden konnte, lernten Wonder Woman und ihre Fans in den 1950er Jahren, als sich die hocherotische Figur das Verdikt des Kommunisten-
Jägers Joseph McCarthy als „unamerikanisch“ zuzog. Heute sind die Maßstäbe wieder zurechtgerückt: In der Verfilmung von 2017 mit der israelischen Schauspielerin Gal Gadot in der Titelrolle sind die Bösewichte wieder Deutsche, und zwar nicht aus der Nazi-, sondern aus der Kaiserzeit, so dass die Schurkenhaftigkeit geradezu epochenübergreifend festgeschrieben scheint.

Lepores Buch ist jedoch über weite Strecken eine Biographie des Schöpfers von Wonder Woman, William Moulton Marston. Er war eine interessante Persönlichkeit, Erfinder des Lügendetektors und einer der wenigen Feministen. Das lag auch an den beeindruckenden Frauen in seinem Leben, die ebenfalls biographisch ausführlichst vorgestellt werden. Kein Zweifel: Marston liebte Frauen, vor allem, wenn sie stark und dominant waren. Wonder Womans Waffe ist ein „Lasso of Truth“, mit dem sie ihre (typischerweise männlichen) Feinde fesselt und das diese auf magische Art dazu bringt, die Wahrheit zu sagen – es sieht einer Peitsche sehr ähnlich und hat die Funktion von Marstons Lügendetektor.29

Ob man seiner Vita und der von dem deutschen Leser wohl weithin unbekannten Akteuren in seinem Umfeld indes über etwa 550 Seiten (darunter mehr als 100 Seiten Anmerkungen) folgen möchte, erscheint fraglich. Daneben gibt es Exkurse in die Geschichte des Feminismus vornehmlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dargeboten in thematischen wie chronologischen Sprüngen, die das Lesen nicht gerade erleichtern. Wer sich für William Moulton Marston, seine Schöpfung und deren Bedeutung für den Kampf der Frauen um Gleichstellung interessiert, wird diese Herausforderung gern auf sich nehmen. Bei weniger motivierten Lesern dürfte nach maximal einem Drittel des Werks Erschöpfung eintreten.

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Rezension: Dr. Dr. Ronald D. Gerste

Jill Lepore
Die geheime Geschichte von Wonder Woman
Verlag C. H. Beck, München 2022, 552 Seiten, € 29,95

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