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Zeit der Veränderung

Die europäische Bildungspolitik der letzten Jahre hat ihre Spuren auch im Verlagswesen und auf dem Buchmarkt hinterlassen. Viele Verlage reagieren auf die Einrichtung neuer Bachelor- und Master-Studiengänge mit entsprechender Einführungs- und Überblicksliteratur. Diese stets handlichen Titel, die Basiswissen vermitteln und exakt auf die jeweiligen Ausbildungsziele angelegt sind, bezwecken vor allem zweierlei: Orientierung zu vermitteln und klare Antworten zu geben, was wichtig oder unwichtig ist.

Dieses Ziel verfolgt auch der auf sechs Bände angelegte „Grundkurs Geschichte“ aus dem Kohlhammer Verlag. Der vom Mannheimer Historiker Michael Erbe verfasste Band stellt die „Frühe Neuzeit“ vor, die drei Jahrhunderte zwischen 1500 und 1800, in denen es zu großen Veränderungen in Europa kam: Die Reformation führte zu einer bis heute anhaltenden Spaltung der westlichen Christenheit, gewaltige Konflikte wie der Dreißigjährige Krieg entvölkerten ganze Landstriche und ließen ein neuartiges Staatensystem entstehen, und mit der von England und Frankreich ausgehenden Aufklärung kündigte sich schließlich die Moderne an.

Gegenüber vergleichbaren Werken zeichnet sich Erbes Darstellung vor allem durch ihre gute Lesbarkeit aus. Der Leser wird nicht durch bloße Stichwörter oder Aufzählungen abgeschreckt, sondern findet einen verständlichen Text vor, der ohne Fachjargon die politische Geschichte Europas zum Leben erweckt. Nach einem Blick auf die Grundstrukturen der Epoche, in denen es um Bevölkerungsentwicklung, Wissenschaft und Technik, geistige Strömungen, aber auch um die Expansion Europas nach Übersee geht, stellt der Autor die wichtigsten Ereignisse in den einzelnen Teilregionen vor: die Entwicklung in Deutschland nach der Kirchenspaltung etwa, den Abfall der Niederlande von Spanien und die Expansion des Osmanischen Reiches, Frankreich unter der Herrschaft des „Sonnenkönigs“, die Teilungen Polens im späten 18. Jahrhundert und den Aufstieg Russlands zur europäischen Großmacht.

Das alles wird kenntnisreich und souverän vorgetragen – und vermag als Buch dennoch nicht recht zu überzeugen. Die Kritik trifft dabei allerdings nicht den Autor, sondern den Verlag, der mit seinem „Grundkurs Geschichte“ keine klare Linie verfolgt. Der gebildete Leser außerhalb studentischer Seminare wird sich allein schon wegen der häufig eingestreuten „Erläuterungen“ in die Schulzeit zurückversetzt fühlen. Muss man tatsächlich in einem so klugen und anspruchsvollen Buch noch auf wenigen Zeilen definieren, was denn nun das Heilige Römische Reich Deutscher Nation gewesen sei, muss man Niccolò Machiavelli vorstellen oder den Begriff Merkantilismus erläutern? Der junge Leser wiederum findet letztlich zu wenig: kein Wort über die verschiedenen Zugänge zur „Frühen Neuzeit“ in der Gegenwart, nichts über Methoden oder die Organisation des Faches, keine Anregungen zur eigenen Mitarbeit, nicht einmal eine einzige Literaturangabe, die ihn zu vertiefender Lektüre anspornen würde.

Rezension: Bahlcke, Joachim

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Zeit der Veränderung
W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2007, 258 Seiten, Buchpreis € 20,00
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