Daniela Crescenzio Zu Fuß durch die Geschichte Veronas - wissenschaft.de
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Daniela Crescenzio

Zu Fuß durch die Geschichte Veronas

Die Geschichte Veronas ist beeindruckend und vielschichtig. Gegründet schon vor 550 v. Chr. von den Rätern und möglicherweise den Euganeern, wurde die norditalienische Stadt 89 v. Chr. eine römische Kolonie. Nach Veronas Unabhängigkeit von Österreich im 12. Jahrhundert folgten Zugehörigkeiten zu Mailand, Venedig, noch einmal Österreich und seit 1866 zu Italien. Es ist dieses geschichtsträchtige und kulturell facettenreiche Verona, abseits der Berühmtheit durch William Shakespeares Romeo und Julia, das Daniela Crescenzio in ihrem Stadtführer vorstellt. In drei Spaziergängen lernt der Leser Interessantes über Kunst, Kultur und Geschichte; hierfür ist der Aufbau thematisch organisiert, denn nicht die Chronologie, so die Autorin, sondern das „Prinzip der Ortszugehörigkeit lässt Geschichte lebendig werden.“ So erzählen Veronas Monumente selbst die Geschichte der Stadt von den Römern bis ins 20. Jahrhundert.

Der erste Spaziergang, der römischen Geschichte gewidmet, berücksichtigt alle berühmten Sehenswürdigkeiten dieser Epoche, wie das Amphitheater, die Madonna Verona oder das Teatro Romano. Umfangreiche Texte führen in die Geschichte des jeweiligen Monuments ein, zwischendurch bringen gelbe Kästen dem Leser die Vergangenheit Veronas auf lockere Weise näher, erklären zum Beispiel die Herkunft des Namens Verona oder die lange Tradition der Opernaufführungen dort. Der zweite Rundgang mit dem Titel „Kunst“ wirkt zuerst etwas einseitig, denn von 25 Stationen werden 17 Kirchen vorgestellt, dennoch bemüht sich die Autorin um Abwechslung, so enthält der Spaziergang auch einige Museen oder die Biblioteca Capitolare. Ein unerwartetes Highlight ist eine 1919 unter Einfluss des Art déco erbaute Fiat-Garage. Die spannende dritte Tour dreht sich um „Palazzi und Piazze“, beginnend mit dem Giardino Guisti, einem Lustgarten, den auch schon Johann Wolfgang Goethe 1786 besuchte, über das älteste Café Veronas bis hin zum Balkon Julias, dessen vermeintlich mittelalterliche Herkunft die Autorin jedoch widerlegt (der Balkon wurde erst 1940 erbaut).

 Mit viel Witz und Charme stellt Crescenzio Verona vor, taucht tief in die Vergangenheit der Stadt ein und bleibt bei allem immer historisch präzise. Es sind vor allem die geschichtlichen Anekdoten, die das Besondere des Buches ausmachen. Doch gerade der, von Crescenzio als so wichtig empfundene, thematische Aufbau des Führers ist seine größte Schwäche. Es fehlt eine Einleitung in Veronas Vergangenheit, die ein tieferes Verständnis der Monumente in Bezug auf den weiteren geschichtlichen Kontext erlaubt hätte. So taumelt der Besucher, meist ohne zusammenhängende historische Anhaltspunkte, durch Zeit und Raum.

Rezension: Charlotte Alt

Daniela Crescenzio
Verona
Stadtführer durch Kunst, Geschichte und Kultur
IT-INERARIO, München 2017, 232 Seiten, 24,95€

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