Oberman, Heiko A. Zwei Reformationen – Luther und Calvin. Alte und Neue Welt - wissenschaft.de
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Oberman, Heiko A.

Zwei Reformationen – Luther und Calvin. Alte und Neue Welt

Mit Martin Luther verbindet sich für viele immer noch die Vorstellung von der Einzgartigkeit seines reformatorischen Wirkens, von dem radikal Neuen seines Bibelverständnisses, das schließlich die Befreiung vom Glaubensdiktat der katholischen Kirche bewirkt habe. In der Vergangenheit wurde Luther gar als deutscher Nationalheld stilisiert, und manches von dieser Deutung schwingt auch heute noch nach. Der große Reformationshistoriker Heiko A. Oberman, setzt in seinem letzten Buch „Zwei Reformationen” die Akzente anders. Für ihn ist Luther, der „Bettelmönch in der Löwengrube”, nicht die Lichtgestalt einer neuen Epoche, die man umso heller malen kann, je dunkler das Spätmittellater in seiner angeblichen Krise und Dekadenz dagegen absticht. Vielmehr vermag er zu zeigen, wie stark soziale Reformbestrebungen und der Wandel hin zur einer intellektuellen Erfassung der Realität im Spätmittelalter der Reformation den Boden bereiteten. Als Konsequenz dieser Entwicklung, nicht als Bruch mit ihr, erscheint nun die lutherische Reformation, deren Protagonist mit seiner allgegenwärtigen Endzeiterwartung selbst tief im mittelalterlichen Deken verwurzelt erscheint. Ihm stellt Oberman vor allem die Biographie und die Glaubensvorstellungen Calvins gegenüber, die als „zweite Reformation” charakterisiert und von den Entwicklungen des späteren Calvinismus mit seiner Überwachungsmentalität deutlich abgrenzt werden. Der Essayband, der zugleich das Vermächtnis des im Jahr 2001 verstorbenen Historikers darstellt, ist unbedingt lesenswert, auch wenn nicht jeder den manchmal zugespitzten Thesen zustimmen mag – anregend sind sie allemal.

Rezension: Talkenberger, Heike

Oberman, Heiko A.
Zwei Reformationen – Luther und Calvin. Alte und Neue Welt
Siedler Verlag, Berlin 2003, 318 Seiten, Buchpreis € 22,90
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