Die Medizin der Zukunft - wissenschaft.de
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Die Medizin der Zukunft

Der Doktor aus Indien, um den es in diesem Film geht, ist zuerst einmal ein sehr sympathischer Protagonist. Doktor Vasant Lad hat zwar im Laufe seiner Karriere einen gewissen Ruhm erlangt. Schließlich war er maßgeblich daran beteiligt, die traditionelle indische Heilkunst Ayurveda nicht nur im Westen bekannt zu machen, sondern hat ihr auch in seinem Heimatland zu neuer Wertschätzung verholfen. Doch viel Aufhebens um seine Person macht er deswegen nicht. Er ist ein Mann mit einer Mission und kümmert sich lieber um seine Patienten, die er auch kostenlos behandelt. Oder um seine Frau und seine Schüler, die von überall her nach Indien oder New Mexico in sein Institut kommen, um von ihm die Geheimnisse der Ayurveda-Therapie zu lernen.

Wobei das Wort Therapie oder auch Heilkunst ­eigentlich zu kurz gefasst ist. Vielmehr wird Ayurveda hier wie eine Lebenskunst beschrieben: Es geht um Ernährung und Spiritualität, darum, im Einklang mit der Natur zu leben. Krankheit entsteht in dieser Philosophie aus der Missachtung der Weisheit des eigenen ­Körpers. Die moderne Medizin, so sagt ­Vasant Lad, sei bei Notfällen unersetzlich. Doch ­danach bräuchten wir einen natürlichen Weg, um gesund zu werden und zu bleiben. Das ist für ihn ­Ayurveda und damit auch die Medizin der Zukunft.

Grafisch unterstützte Erklärsequenzen geben einen guten Überblick über das Grundprinzip der drei Do­shas: dreier Körperpulse, die ein ayurvedischer Arzt misst und aus ihrem Ungleichgewicht seine Diagnose ableitet. Doch der medizinische oder gar wissenschaftliche Teil, der sich mit den Grundlagen der Heilkunst und ihrer Wirkungsweisen befasst, bleibt eher klein. Der Film ist in erster Linie eine Biografie, die die Reise eines Mannes aus der indischen Provinz auf die Bühnen Amerikas und Europas nachzeichnet. Dabei arbeitet der Film mit altem Filmmaterial, der Autor spricht mit Weggefährten und begleitet Vasant Lad über eine lange Zeit. So gelingt es ihm, in einem einfühlsamen Film ein sehr authentisches Bild dieses Arztes zu zeichnen, dessen Charisma selbst durch den Bildschirm zu erahnen ist.

Allerdings sollte man zumindest offen gegenüber einer gewissen Sinnlich- und Übersinnlichkeit sein, sonst wird der Film streckenweise ein wenig anstrengend. Angefangen damit, dass ein Guru dem Doktor seine Bestimmung voraussagte, über seine Ausführungen zu dem für ihn sehr wichtigen spirituellen Teil der Ayurveda-Kunst bis hin zu hinduistischen ­Ritualen, die in ihrer Exotik und Hingabe zwar beeindrucken, in Verbindung mit Heilung aber auch ­abschreckend anmuten können.

Wer sich aber darauf einlässt, der kann aus diesem Film eine Menge mitnehmen. Denn der rote Faden folgt zwar der Ausbreitung der ayurvedischen Heilkunst, die Geschichte erzählt aber viel mehr: über das Leben in zwei gegensätzlichen Welten, über die indische Kultur und auch darüber, wie Liebe, Mut und vor allem der Zufall das Leben eines Menschen in ungeahnte Bahnen leiten können.

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Jeremy Frindel (Regie)
Der Doktor aus Indien
Dokumentarfilm, mindjazz pictures, 89 Minuten
Ab dem 23. August 2018 im Kino

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