Natur nach Schema F - wissenschaft.de
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Natur nach Schema F

Düster, nebelig, ungezähmt: Zwei Wölfe jagen durch einen nächtlichen Wald und der ­Zuschauer erschauert ehrfürchtig, als einer zu heulen beginnt. Langsam weicht die dunkle Nacht dem ­rötlichen Licht eines neuen Tages. Nach und nach­­­­ erwachen auch die anderen Waldbewohner. Rehe, die achtsam äsen, Wildschweine, die faul in einer Senke ruhen, und ein Reiher, der zum Frühstück eine Spitzmaus verspeist. Untermalt wird die Szenerie von ­einer bedrohlich-mystischen Musik.

Regisseurin und Drehbuchautorin Alice Agnes­kirchner eröffnet ihren Film „Auf der Jagd – Wem ­gehört die Natur?“ vor dieser Kulisse einer vermeintlichen Wildnis. Doch schnell wird klar: Diese gibt es kaum noch. Viele Orte wirken auf den Beobachter zwar wild und naturbelassen. Doch der Mensch hat dieser Wildnis Zügel angelegt, und wo sie seinen ­Interessen im Weg steht, wird sie seinen Bedürfnissen entsprechend angepasst. Natur nach Schema F.

Dafür sorgen in Deutschland unter anderem Forstbetriebe und Jäger. Etwa 380.000 Jäger gibt es in Deutschland. Davon knapp 1000 Berufsjäger. Sie kümmern sich um die Hege ihrer Reviere. Und dazu gehört auch das Abschießen von Tieren.

Abschussquoten sollen regeln, wie viele Tiere einer Art wann geschossen werden dürfen. Doch es gibt ­eine Kluft zwischen dem, was Gesetz und Behörden vorgeben, und dem, was die Jäger beobachten. Diesen Konflikt und den Druck, den teils realitätsferne Quoten ausüben, hat Agneskirchner in den Mittelpunkt ihres Films gestellt.

Oft könnten die geforderten Zahlen nicht eingehalten werden, klagen die Jäger. Oder sie müssten zu viele Jungtiere schießen. Auf lange Sicht, so fürchten viele Jäger, schadet das der Wildpopulation und kommt einem langsamen Ausrotten bestimmter ­Arten gleich. Hauptleidtragende sind in dieser Hinsicht die Gämsen: Die Behörden stützten sich nach Meinung der Jäger auf veraltete Bestandszahlen und fordern zu hohe Abschussquoten. Hinzu kommt, dass sich die Wildtiere nicht so gleichmäßig in einem Gebiet verteilen, wie es den Behörden lieb wäre.

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Neben den Jägern kommen aber auch Vertreter von staatlichen Institutionen zu Wort. Sie begründen, weshalb eigentlich natürliche Rückzugsorte für Tiere wie die Gams gesperrt oder Quoten bestimmt werden. So wird der Zuschauer zu einer Zählung von Verbissstellen durch Rotwild an jungen Fichten mitgenommen. Im Fokus der Argumente steht hier der Mensch und was er als „schützenswerte Natur“ ansieht.

Insgesamt gibt der Film zwar den Jägern etwas mehr Raum für ihre Argumente als den Befürwortern von Abschussquoten und wildfrei zu haltenden Gebieten. Trotzdem wird der Zuschauer nicht bevormundet. Vielmehr lädt der Film zum Nachdenken darüber ein, wie der Mensch zukünftig mit seiner Umwelt umgehen will. Zusätzliches Schmankerl: Abseits der deutschen Perspektive werden die Nachfahren kanadischer Ureinwohner zu ihrem Verhältnis zur Jagd befragt. Absolut sehenswert.

Alice Agneskirchner
Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?
Broadview Pictures, ZDF, Arte. 136 Minuten. Ab 10. Mai 2018 im Kino.

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