Auf die Höhe gehoben - wissenschaft.de
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Rätsel

Auf die Höhe gehoben

Bild: Hubert Warter

Heute kennt ihn jeder als einen ganz Großen auf dem Gebiet der Psychologie. Aber nach Abschluss seines Medizinstudiums hatte der junge Arzt noch ganz andere ­Interessen.

Vor allem die pharmazeutische Forschung hatte es ihm angetan. Fasziniert las er den Bericht eines Militärarztes, der Soldaten mit einer neuen Substanz aus dem südamerikanischen Coca-Strauch behandelt hatte und die positiven Folgen lobte. Der junge Arzt beschloss, die Wirkungen von „Cocain“ auf den menschlichen Körper genauer zu untersuchen.

Die Selbstversuche, mit denen er begann, stimmten ihn optimistisch, um nicht zu sagen: heiter. Offenbar wirkte sich die Substanz wohltätig auf das mentale Gleichgewicht aus. „In meiner letzten großen Verstimmung habe ich wieder Coca genommen und mich mit einer Kleinigkeit wunderbar auf die Höhe gehoben“, schrieb er seiner Verlobten. Und das Tollste: Die Substanz mache nicht süchtig!

Ganz sicher war er, dass das Wundermittel die Entzugserscheinungen bei ­Morphiumsüchtigen lindern würde. Ein von Morphium abhängiger befreundeter Kollege stimmte zu, sich von dem hier ­Gesuchten mit immer höheren Dosen ­Kokain therapieren zu lassen. Zunächst konnte der Kollege eine Zeitlang die Finger vom Morphium lassen. Dann hing er ­wieder an der Nadel – jetzt als Morphium- plus Kokain-Süchtiger. Die doppelte Drogenabhängigkeit brachte ihn um. Der ­junge Arzt hat seine Fehlbeurteilung des Kokains – als angeblich nicht suchter­zeugend – übrigens niemals öffentlich ­zugegeben. Er schwieg lediglich von nun an darüber. Und wandte sich der mensch­lichen Psyche zu, was ihn weltberühmt machte.

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SIGMUND FREUD (1856 bis 1939), der später weltberühmte Vater der Psychoanalyse, war in jungen Jahren sehr an pharmazeutischer Forschung interessiert. Er hielt zu Unrecht Kokain für eine Substanz, die nicht süchtig mache und Morphiumsüchtigen den Entzug ihrer Droge erleichtern könne. So trägt er zumindest eine Mitverantwortung für den Tod seines befreundeten Kollegen Ernst von Fleischl-Marxow, der aufgrund dieser Fehleinschätzung zugrunde ging. Freuds großes Verdienst, in der menschlichen Psyche die Ebene des Unbewussten erkannt zu haben, wird ­dadurch nicht geschmälert.
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