Sternengeschichten Folge 377: Morgenstern, Abendstern und Venuslichter [Astrodicticum Simplex] - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Scienceblogs

Sternengeschichten Folge 377: Morgenstern, Abendstern und Venuslichter [Astrodicticum Simplex]

SG_LogoDas ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify.

Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter]

Über Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kanälen.

—————————————————————————————
Sternengeschichten Folge 377: Morgenstern, Abendstern und Venuslichter

Anzeige

In der letzten Folge der Sternengeschichten habe ich über die Atmosphäre der Venus gesprochen und über die enorm höllischen und lebensfeindlichen Bedingungen die auf unserem Nachbarplaneten herrschen. Dass es auf der Venus so extrem unfreundlich ist können wir von der Erde aus aber nicht sehen. Die Venus an sich sehen wir aber sehr gut. Tatsächlich ist die Venus nach der Sonne und dem Mond das dritthellste Objekt an unserem Himmel. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass gerade die Venus – so wie Sonne und Mond – in der Geschichte der Menschheit und in den Geschichten die wir uns über die Welt erzählen immer schon eine wichtige Rolle gespielt hat.

So gut wie jede Kultur hat in ihrer Religion eine Gottheit die mit der Venus assoziert wird. Manche sogar zwei, denn die Venus spielt an unserem Himmel gewissermaßen eine Doppelrolle. Sie kann sowohl der Morgenstern als auch der Abendstern sein. Und bevor uns weiter der Venus widmen sollten wir diese Begrifflichkeiten zuerst einmal klären. Ganz allgemein ist ein “Morgenstern” ein Objekt am Himmel das – wie der Name sagt – am Morgen hell leuchtend gut sichtbar ist; kurz bevor die Sonne aufgeht. Umgekehrt ist ein “Abendstern” ein hell leuchtendes Objekt das am Abendhimmel zu sehen nachdem die Sonne untergeht. Die Rolle von Morgen- und Abendstern können im Prinzip unterschiedliche und verschiedene Objekte spielen. Merkur zum Beispiel wäre ein guter Kandidat. Dieser Planet ist von allen der Sonne am nächsten. Was nichts anderes heißt, dass er am Himmel auch nie weit entfernt von der Sonne zu sehen sein kann. Es ist zum Beispiel unmöglich, den Merkur irgendwann um Mitternacht am Himmel zu beobachten. Denn da ist die Sonne schon weit hinter dem Horizont verschwunden und mit ihr auch der Merkur. Nur kurz bevor die Sonne aufgeht beziehungsweise kurz nachdem sie untergeht kann der Merkur beobachtet werden. Allerdings ist er am Himmel oft schwer zu sehen; einerseits weil er sich morgens und abends in der Nähe des Horizonts befindet wo Gebäude, Berge und anderes Zeug uns den Blick verstellen kann. Andererseits weil er klein ist und schwach leuchtet und das ganze noch dazu in der Morgen- bzw. Abenddämmerung wo die Sonne schon anfängt unseren Blick auf den Nachthimmel zu stören.

Venus ist enorm hell (das zweithellste Ding in dem Bild is Jupiter) (Bild: Brocken Inaglory, CC-BY-SA 3.0)

Der Jupiter kann auch ab und zu mal vor Sonnenaufgang bzw. nach Sonnenuntergang hell am Himmel leuchten; aber der wahre Abend- und Morgenstern ist die Venus. Sie ist der zweite Planet von der Sonne aus gesehen; ist also so wie der Merkur nie weit von ihr entfernt am Himmel. Sie ist der Erde aber sehr viel näher als der Merkur und deutlich größer. Die Venus ist fast so groß wie die Erde und ständig von einer dicken Wolkenschicht eingehüllt die mehr als drei Viertel des einfallenden Sonnenlichts reflektiert. Das alles führt dazu, dass die Venus extrem hell leuchten kann und das vor allem in der Morgen- bzw. der Abenddämmerung tut.

Ob die Venus morgens oder abends am Himmel zu sehen ist, hängt natürlich davon ab, wo sie sich entlang ihrer Bahn gerade befindet. Wenn die Venus von uns aus gesehen im Westen der Sonne steht, dann geht sie auch vor der Sonne auf und ist als Morgenstern sichtbar. Das macht sie dann circa ein halbes Jahr lang; danach hat sie sich so weit bewegt, dass sie von uns aus gesehen hinter dem Stern verschwindet und vom Sonnenlicht überstrahlt wird. Erst drei Monate später ist die Venus auf ihrer Bahn so weit östlich der Sonne gelangt dass sie wieder von der Erde aus sichtbar ist und zwar nun am Abendhimmel kurz nachdem die Sonne untergegangen ist. Jetzt spielt sie ein halbes Jahr lang die Rolle des Abendsterns bevor sie von uns aus gesehen vor der Sonne vorbei zieht und nicht mehr gesehen werden kann. Mit einer Periode von 19 Monaten wiederholt sich dieses Wechselspiel von Morgenstern zu Abendstern. Diese Beziehung war den Menschen schon früh bekannt; der erste der herausgefunden haben soll dass Morgen- und Abendstern beide der gleiche Himmelskörper sind soll der griechische Mathematiker Pythagoras von Samos gewesen sein; im 6 Jahrhundert vor Christus.

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Kon|chy|lie  〈[–çylj] f. 19; Zool.〉 die harte Schale der Weichtiere (Mollusca) [<grch. konchylion ... mehr

Rüs|sel  〈m. 5〉 1 〈Zool.〉 spitze od. röhrenförmige Verlängerung des Kopfes mancher Tiere, z. B. der Nase beim Elefanten, Mundorgan bei Würmern u. Schnecken, Saug– u. Stechwerkzeug bei manchen Insekten 2 〈salopp〉 Nase ... mehr

Pa|li|sa|den|ge|we|be  〈n. 13; Bot.〉 an der Blattoberseite von Pflanzen gelegene Schicht länglicher Zellen, die viel Blattgrün enthalten

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige