Sternengeschichten Folge 393: Merkur, Planet und Götterbote [Astrodicticum Simplex] - wissenschaft.de
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Sternengeschichten Folge 393: Merkur, Planet und Götterbote [Astrodicticum Simplex]

SG_LogoDas ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Und den ganzen Podcast findet ihr auch bei Spotify.

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Über Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kanälen.

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Sternengeschichten Folge 393: Merkur, Planet und Götterbote

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393 Folge hat es gedauert, bevor der Planet Merkur eine eigene Sternengeschichte bekommt. Was aber auch irgendwie passt, denn der kleinste Planet des Sonnensystems wird irgendwie immer ein wenig vernachlässigt. Die Venus hat eine prominente Rolle als Morgen- und Abendstern auf unserem Himmel. Der Mars ist der Star der Science Fiction und wir schicken regelmäßig Raumsonden und Rover zu ihm. Jupiter als größer Planet des Sonnensystems ist sowieso immer präsent, ebenso der Saturn mit seinen angeberischen Ringen. Ähnlich vernachlässigt wie Merkur sind nur noch Uranus und Neptun. Aber die wurden ja erst im 18. bzw. 19. Jahrhundert entdeckt und sind mit freiem Auge nicht sichtbar. Im Gegensatz zu Merkur, der zu den freiäugig sichtbaren Planeten gehört und den Menschen schon immer bekannt war. Und in der Vergangenheit hat Merkur auch eine deutlich prominentere Rolle gespielt als heute.

Dass da ein Himmelskörper ist, der kein Stern ist und sich so wie Venus, Mars, Jupiter und Saturn über den Himmel bewegt war den Menschen schon in Babylonien und Assyrien vor knapp 4000 Jahren klar. Merkur war daher auch immer schon einer der fünf Planeten (bzw. sieben Planeten, weil man Sonne und Mond damals ja auch dazu gezählt hat), die mit Göttern in Verbindung gebracht worden sind. Bei den Babylonieren war sein Name “Nabu”, Gott der Schreibkunst und Weisheit; bei den Ägyptern stand er für “Seth”, den Wüstengott. Die antiken Griechen hatten zwei Namen für ihn: “Apollo” hieß er, wenn er in der Morgendämmerung zu sehen war und “Hermes” bei Sichtbarkeit in der Abenddämmerung. Ihnen war aber trotzdem klar, dass es sich um ein und den selben Himmelskörper handelte. Hermes ist der Gott der Reisenden, der Kaufleute, der Diebe, der Magie, der Redekunst und noch ein paar anderer Zuständigkeiten. Er ist aber auch der Bote der Götter, dargestellt mit geflügelten Schuhen oder einem geflügelten Helm. In der römischen Mythologie entspricht dem Hermes der Gott “Mercurius” und dieser Namen blieb dem Planeten bis heute. Aber nicht nur dem Planeten: Wir finden die sieben Planeten ja zum Beispiel auch in der Struktur unserer Wochentage. Sonntag ist logischerweise der Tag der Sonne, Montag der Tag des Mondes. Unser Dienstag ist der Mars-Tag, was man im Deutschen nicht mehr hört, aber zum Beispiel im französischen wo dieser Tag “mardi” genannt wird oder “martes” auf spanisch. Der “Dienstag” auf deutsch kommt von der germanischen Version des Mars, dem Kriegsgott Tyr bzw. Tiu. Der “Mittwoch” hat im deutschen nichts mehr mit Planeten zu tun, heißt aber auf französisch noch “mercredi”, auf italienisch “mercoledi” und auf spanisch “miércoles”, was alles Versionen des lateinischen “dies Mercuri” sind, also dem Tag des Merkur. Jupiter hat den Donnerstag abgekommen, Venus den Freitag und Samstag gehört dem Saturn, was man besondes im englischen “saturday” noch gut erkennt.

Kauft euch was zum Anziehen! (Bild: Eustache Le Sueur, gemeinfrei)

Aber egal ob ihr das jetzt am mittwöchigen Merkurtag hört oder irgendwann anders: Hier soll es nicht nur um die alten Mythen gehen sondern um den realen Planeten. Und da ist der geflügelte Gottesbote tatsächlich ein guter Namensgeber. Klein und flink ist nämlich auch der echte Merkur. Mit einem Durchmesser von 4879 Kilometern ist er der Winzling unter den Planeten. Mars, der zweitkleinste Planet kommt schon auf einen Durchmesser von 6779 Kilometern, Venus schafft 12.100 Kilometer, die Erde 12.742 Kilometer. Merkur ist gerade mal ein wenig größer als der Mond der Erde mit seinen 3475 Kilometern. Und kleiner als der Saturnmond Titan und der Jupitermond Ganymed. Merkur ist aber nicht nur der kleinste Planet sondern auch der, der der Sonne am nächsten ist. Sein Abstand beträgt im Schnitt nur 58 Millionen Kilometer, das ist ungefähr ein Drittel der Distanz zwischen Erde und Sonne. Im sonnennächsten Punkt seiner Bahn ist er überhaupt nur noch 46 Millionen Kilometer von ihr entfernt. Für eine Runde um die Sonne braucht er nur 88 Tage. Eine Drehung um seine eigene Achse dauert dagegen erstaunliche 58 Tage. Ein Merkur-Tag dauert also zwei Drittel des Merkur Jahres. Das ganze wird aber noch seltsamer: Die Rotationsdauer von 58 Tagen ist die Zeit bezogen auf die Sterne. Wenn man also vom Merkur aus einen bestimmten Stern anvisiert und wartet, bis der Planet sich soweit gedreht hat dass genau dieser Stern wieder am gleichen Punkt des Himmels erscheint, dauert es 58 Tage. Das ist aber nicht die Zeit zwischen zwei Sonnenaufgängen, dafür muss man am Merkur 176 Tage lang warten.

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