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Dienstag, 17.07.2018
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Europa exportiert illegal Elektroschrott

Schmuggler verschiffen tausende Tonnen E-Schrott nach Nigeria

Giftiger Exportschlager: Europa verschifft jedes Jahr 60.000 Tonnen an Elektrogeräten nach Nigeria – ein Viertel davon ist Schrott. Der Großteil des illegalen Frachtguts kommt in gebrauchten Autos in den Häfen an, wie Forscher nun berichten. Ganz oben auf der Schmuggelliste stehen kaputte Fernseher und Kühlschränke, die meistens falsch oder einfach gar nicht deklariert sind. Für die Schrotthändler ergeben sich daraus jedoch keine Konsequenzen.
Europa exportiert seinen Elektroschrott per Frachter nach Nigeria - illegal.

Europa exportiert seinen Elektroschrott per Frachter nach Nigeria - illegal.

Ob kaputte Handys, Flachbildschirme oder Kühlschränke: Wir produzieren weltweit gewaltige Mengen an elektronischem Abfall – und die Schrottflut nimmt immer weiter zu. Im Jahr 2016 warf jeder Deutsche 22,8 Kilogramm Elektroschrott in den Müll, womit wir weit über dem weltweiten Durchschnitt von sechs Kilogramm liegen. Eigentlich sind die EU-Vorschriften für die Entsorgung klar: E-Schrott muss gesondert gesammelt, fachgerecht entsorgt und darf nicht exportiert werden. Aber halten sich alle an die Vorschriften?

Kontrolle von verschifften Containern und Autos


Um das herauszufinden, haben Wissenschaftler vom Basler Koordinationszentrum für Afrika (BCCC) und der Universität der Vereinten Nationen (UNU) in Bonn in einer 16-monatigen Studie den Import von Elektroschrott nach Nigeria untersucht. In den Jahren 2015 und 2016 wurden dafür im Hafen von Lagos etwa 200 Container und über 2.000 Secondhand-Autos inspiziert, die eigentlich für den Weiterverkauf bestimmt waren.

Ein Viertel Schrott, hauptsächlich Fernseher


Das Ergebnis: Insgesamt wurden 60.000 Tonnen gebrauchter Elektrogeräte nach Nigeria verschifft – gut ein Viertel davon war Schrott. Etwa drei Viertel der Exporte stammte aus europäischen Häfen, größtenteils aus Deutschland und Großbritannien. Das Erstaunliche: 70 Prozent aller E-Geräte – über 40.000 Tonnen – war in Gebrauchtwagen gestopft worden.


Lagos: Der Elektroschrott kommt in Containern und Gebrauchtwagen in der nigerianischen Hauptstadt an. Besonders alte Röhrenfernseher werden trotz Verbot importiert.

Lagos: Der Elektroschrott kommt in Containern und Gebrauchtwagen in der nigerianischen Hauptstadt an. Besonders alte Röhrenfernseher werden trotz Verbot importiert.

Dort fanden die Kontrolleure hauptsächlich Flachbildfernseher und –monitore, sie machten vom Gewicht 18 Prozent aller importierten Geräte aus. Über die Hälfte davon funktionierte jedoch nicht. Die zweitgrößte Kategorie bildeten alte Röhrenfernseher mit 14 Prozent, obwohl ihr Import eigentlich verboten ist. Danach folgten Fotokopierer mit 13 Prozent, Kühlschränke mit zwölf Prozent, Desktop-Computer mit sieben Prozent, Klimaanlagen, Lautsprecher und Waschmaschinen mit jeweils sechs Prozent sowie Drucker und DVDs mit fünf und vier Prozent.

E-Schrott ist häufig falsch deklariert und giftig


Der Export und Import von Elektroschrott nach Nigeria ist laut der Basler Konvention illegal. Für die Schrotthändler ist das jedoch kein Hindernis: Die in Containern transportierten Geräte waren in 60 Prozent der Fälle in offiziellen Papieren entweder als Hausrat oder persönliche Habe deklariert. Der in den Autos verstaute Schrott war meistens überhaupt nicht schriftlich angegeben. "Der Import von Geräten in Autos lohnt sich wirtschaftlich für die Absender, denn es füllt wertvollen Platz während des Transports aus", sagt Percy Onianwa, Direktor vom BCCC.

Lagos: Der E-Schrott ist meistens falsch deklariert und kommt zusammen mit anderen Gütern, wie Fahrrädern oder Möbeln.

Lagos: Der E-Schrott ist meistens falsch deklariert und kommt zusammen mit anderen Gütern, wie Fahrrädern oder Möbeln.

Viele der kaputten Geräte werden aber trotz allem repariert und zu Geld gemacht. "Die Reparatur und das Ausschlachten von Ersatzteilen versprechen höhere Einnahmen als die Materialien zu recyceln", so Mitautor Olusegun Odeyingbo von der UNU. Trotzdem leben viele Nigerianer davon, die wertvollen Metalle – oft per Hand – aus den Geräten zu holen. Sicherheitsmaßnahmen treffen die Arbeiter dabei nur selten.


In gebrauchten Elektrogeräten sind jedoch häufig giftige Substanzen und Chemikalien verbaut. So können Kühlschränke und Klimaanlagen umweltschädliche Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) enthalten, LED-Fernseher brauchen wegen des enthaltenen Quecksilbers eine besondere Entsorgung. Eben jene giftigen Geräte wurden aber besonders häufig importiert und waren oft kaputt.

Wie ist der illegale Handel zu stoppen?


Obwohl der Schrotthandel illegal ist, ergaben sich für die Importeure und Exporteure keinerlei Konsequenzen. "Die Situation zeigt, dass nationale und internationale Gesetze in den Exportländern und Nigeria nicht durchgesetzt werden", bemängeln die Forscher. Es bräuchte weit größere Anstrengungen von beiden Seiten, um dieses Problem zu lösen.

"Die nächsten Schritte sollten sein, Zertifikate für Funktionstests obligatorisch für den Transport von gebrauchten Elektrogeräten zu machen", sagt Rüdiger Kühr von der UNU. Dafür sollten auch standardisierte Funktionstests eingeführt werden, die alle am Handel beteiligten Länder akzeptieren. Zudem fordern die Forscher, dass die lokalen Behörden besser zusammenarbeiten und mehr Kontrollen – vor allem von Secondhand-Autos – durchführen.
(Universität der Vereinten Nationen, 20.04.2018 - YBR)
 
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