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Dienstag, 23.10.2018
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Schadet Handystrahlung dem Gedächtnis?

Studie findet Einbußen im figuralen Gedächtnis bei vieltelefonierenden Jugendlichen

Doch schädlich? Wenn Jugendliche viel mit dem Handy telefonieren, könnte dies negative Auswirkungen auf ihre Gedächtnisentwicklung haben. Wie eine Schweizer Studie mit 700 Jugendlichen ergab, beeinträchtigt die erhöhte Strahlenbelastung vor allem das visuell-gegenständliche Gedächtnis. Halten die Vieltelefonierer ihr Handy vorwiegend an die linke Kopfseite, ist dagegen das verbale Gedächtnis stärker betroffen, wie die Forscher berichten.
Die erhöhte Strahlenbelastung durchs drahtlose Telefonierern könnte zumindest bei Jungendlichen doch negative Effekte haben.

Die erhöhte Strahlenbelastung durchs drahtlose Telefonierern könnte zumindest bei Jungendlichen doch negative Effekte haben.

Die Frage, ob und wie Handystrahlung der Gesundheit schadet, ist nach wie vor hoch umstritten. Studien zu den Folgen erhöhter Strahlenbelastung durch die hochfrequenten elektromagnetischen Felder kamen bisher zu widersprüchlichen Ergebnissen. So gibt es Hinweise auf eine lokale Erhöhung der Hirnaktivitätund Veränderungen des Ionenhaushalts im Gehirn. Während jedoch die Weltgesundheitsorganisation WHO Mobilfunkstrahlung als potenziell krebserregend einstuft, gab eine der bisher größten Studien dazu eher Entwarnung.

700 Jugendliche im Test


Jetzt haben Milena Foerster vom Schweizer Tropen- und Gesundheitsinstitut in Basel und ihre Kollegen einen weiteren möglichen Effekt der Handystrahlung näher untersucht: Die Wirkung auf das verbale und figurative Gedächtnis von Jugendlichen. "Gerade diese Altersgruppe hat eine besonders hohe Strahlenbelastung durch Handynutzung, gleichzeitig könnte das sich entwickelnde Gehirn besonders anfällig für strahlungsbedingte Veränderungen sein", erklären die Forscher.

Für ihre Studie werteten sie ein Jahr lang die Handynutzung von fast 700 Schulkindern im Alter von 12 bis 17 Jahren aus – sowohl mittels spezieller Apps als auch durch Befragungen. Auch auf welcher Seite sie beim Telefonieren das Handy oder drahtlose Telefon hielten, wurde ermittelt. Mehrfach im Studienverlauf wurde zudem das verbale und figurale (visuelle) Gedächtnis der Jugendlichen mittels standardisierter Tests bestimmt. Zudem kalkulierten die Forscher die Strahlenbelastung des Kopfes für alle Probanden.


Gedächtniseffekt bei Vieltelefonierern


Es zeigte sich wie erwartet: Je häufiger die Jugendlichen ihr Handy oder ein Drahtlostelefon zum Telefonieren nutzen, desto höher war die Strahlenbelastung ihres Gehirns. Die Vieltelefonierer verbrachten dabei im Schnitt 25 Minuten täglich mit drahtlosem Telefonieren und hatten dadurch eine durchschnittliche Tagesdosis der Strahlung von 1.214 Milljoule pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Bei den Wenig-Telefonierern war die Tagessdosis dagegen weniger als halb so groß.

Das Entscheidende aber: Je mehr die Jugendlichen mit dem Handy telefonierten, desto stärker fiel ihre Leistung im figuralen Gedächtnistest ab. Besonders ausgeprägt und statistisch signifikant zeigte sich die Abnahme des figuralen Gedächtnisses Effekt bei den Teilnehmern, die ihr Handy an der rechten Kopfseite hielten – dort wo die für das visuelle Gedächtnis wichtigen Hirnbereiche liegen, wie die Forscher erklären.

Aktivitäten, bei denen das Handy nicht an den Kopf gehalten wird, zeigten keinen Effekt.

Aktivitäten, bei denen das Handy nicht an den Kopf gehalten wird, zeigten keinen Effekt.

Kein Effekt beim Texten und Surfen


Beim verbalen Gedächtnis zeigte sich dagegen kein eindeutig negativer Effekt der Handynutzung – mit einer Ausnahme: Diejenigen, die ihr Handy beim Telefonieren an die linke Kopfseite hielten, schnitten in den Verbaltests signifikant schlechter ab, wie Foerster und ihre Kollegen berichten. Erklären könnte sich dies damit, dass die linke Kopfseite als Sitz des Sprachzentrums gilt.


Interessant auch: Bei den Jugendlichen, die zwar viel am Handy spielten, Textnachrichten verschickten und es zum Surfen nutzen, aber wenig damit telefonierten, trat dieser Effekt dagegen nicht auf. Die reine Ablenkung und andere Effekte ständiger mobiler Kommunikation sind für den Negativ-Effekt demnach nicht verantwortlich. "Dies deutet darauf hin, dass vom Gehirn absorbierte elektromagnetische Strahlung für die beobachteten Zusammenhänge verantwortlich sind", erklärt Foersters Kollege Martin Röösli.

Ergebnisse müssen noch überprüft werden


Nach Ansicht der Forscher liefern ihre Ergebnisse Indizien dafür, dass eine intensive Handynutzung und damit eine erhöhte Mobilfunkstrahlung bei Jugendlichen negative Auswirkungen auf die Gedächtnisentwicklung haben könnten. "Unsere Ergebnisse müssen aber noch in weiteren Studien mit anderen Populationen bestätigt werden – auch um den Einfluss anderer Faktoren auszuschließen", so Foerster und ihre Kollegen.

Hinzu kommt: "Wie die hochfrequente Mobilfunkfelder mit dem Gehirn interagieren, ist noch immer unklar", betonen die Forscher. "Es existiert bisher kein biologisches Modell dafür, wie verschiedene Strahlenwerte abseits einer Körpertemperaturerhöhung wirken." Dennoch empfehlen sie, die Strahlenbelastung des Kopfes beim Telefonieren möglichst gering zu halten – beispielsweise
durch den Einsatz von Headsets oder Lautsprechern beim Telefonieren. (Environmental Health Perspectives, 2018; doi: 10.1289/EHP2427)
(Swiss Tropical and Public Health Institute, 20.07.2018 - NPO)
 
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