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Technik+Digitales

App für Jetlag-Geplagte

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Credit: Thinkstock
Ob Dienstreise oder Fernurlaub – am Reiseziel möchte man möglichst fit und unternehmungslustig sein. Doch bei Fernzielen ist leider oft das Gegenteil der Fall: Schlapp, müde und übellaunig schleppen sich viele Menschen durch die ersten Tage am Zielort – sie leiden unter Jetlag. Denn nach dem Überqueren von Zeitzonen braucht der Körper einige Zeit, um sich auf den neuen Tag-Nacht-Rhytmus einzustellen. Um diese unangenehme Anpassungsphase abzukürzen, haben US-Forscher eine Smartphone-App entwickelt, die seit heute frei erhältlich ist. Sie gibt Reisenden personalisierte Verhaltenstipps, wann sie sich Licht oder Dunkelheit aussetzen sollten, damit sich ihre innere Uhr möglichst schnell an die jeweilige Zeitzone anpassen kann.

Unser Leben wird maßgeblich vom sogenannten circadianen Rhythmus bestimmt. Nach dieser inneren Uhr richtet sich, wann wir müde werden, Hunger bekommen, Hormone ausgeschüttet werden und vieles mehr. Verschiebt sich der Tag-Nacht-Rhythmus durch das Überqueren von Zeitzonen schlagartig, ist erst einmal Verwirrung im Organismus angesagt – Jetlag. Dieses Phänomen macht die Betroffenen am Tag müde, nachts hingegen hellwach und kommt auch noch mit weiteren unangenehmen Symptomen einher, die sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können, darunter Appetitlosigkeit, Stimmungsschwankungen und Konzentrationsstörungen. Die Dauer des Jetlags hängt wiederum von der Ausmaß und Richtung der Zeitverschiebung ab und ist auch individuell unterschiedlich.

Für die Einstellung unserer inneren Uhr ist der Faktor Licht maßgebend, haben bereits viele Studien gezeigt. Licht und Dunkelheit bestimmen demnach auch die Anpassung an eine neue Zeitzone. Diesen Zusammenhang setzt die App namens „Entrain“ von Danny Forger von der University of Michigan und seinen Kollegen gezielt um: Den Forschern zufolge können bestimmte Muster von Hell- und Dunkelphasen, denen man sich am Zielort bewusst aussetzt, die Zeiger der inneren Uhr besonders schnell auf die neue Zeit einstellen.

Licht an – Licht aus!

„Jetlag möglichst schnell zu bewältigen, ist letztendlich eine mathematische Frage und wir haben die optimalen Berechnungen dafür“, ist Forger überzeugt. Sie beruhen auf aktuellen Modellen der inneren Uhr des Menschen. Die Forscher entwickelten Anpassungspläne für über Tausend mögliche Reiserouten und implementierten sie in ihre App. Entrain gibt dem Nutzer je nach Abreise- und Zielort bestimmte Anweisungen, wann er sich möglichst hellem Licht oder Dunkelheit beziehungsweise Dämmerlicht aussetzen sollte.

Die Bedienung ist offenbar simpel: Man gibt den Tag-Nacht-Rhythmus des Abreiseortes und Zielortes ein und kann zusätzlich noch Parameter angeben, wie oft man sich in geschlossenen Räumen aufhalten wird. Die App spuckt einem dann einen optimierten Licht-Plan aus. Manchmal kann es sich um seltsame Zeiten handeln, in denen man für helles Licht beziehungsweise Dunkelheit sorgen soll. Mitten in der Nacht können spezielle Lampen für den Tageslicht-Effekt sorgen und am Tag dämpfen spezielle Brillen die helle Strahlung, so die Forscher. Wenn sich der Nutzer einmal nicht an die jeweilige Anweisung halten kann, gibt er diese Abweichung vom Plan in die App ein und ein aktualisiertes Konzept wird ihm präsentiert.

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Ob das System wirklich etwas taugt, kann nun jeder selbst überprüfen – Entrain steht der Öffentlichkeit ab heute frei zur Verfügung. Bisher gibt es nur eine Version fürs iPhone aber auch eine App für Android Systeme soll bald folgen, sagen die Forscher. Die University of Michigan hat für die Präsentation von Entrain und ihres Konzepts eine eigene Website bereitgestellt: http://entrain.math.lsa.umich.edu/

Quellen:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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