Das Denken - wissenschaft.de
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Das Denken

Der Physiker Prof Hermann Haken, bekannt als Vater der „Synergetik“, macht sich Gedanken über das Denken.

Wohl jeder glaubt zu wissen, was Denken ist. Doch wer es genauer definieren soll, gerät in Schwierigkeiten. Tätigkeiten, die nach unserem allgemeinen Verständnis kein Denken erfordern, kennt jeder – zum Beispiel Reflexe: Wir schließen unsere Augen, wenn sich ein Objekt schnell unserem Gesicht nähert. Wir atmen, unser Herz schlägt – selbst im Tiefschlaf. Auch um gehen oder schwimmen zu können, brauchen wir nicht angestrengt zu denken, Kleinhirn und Rückenmark kontrollieren diese Bewegungen.

Häufig hört man, dies geschehe „instinktiv“. Selbst das ziemlich komplexe Verhalten von Insekten wird oft auf Instinkte zurückgeführt. Allerdings bahnt sich heute ein neues Verständnis von Insekten an, dem eher Computermodelle zugrunde liegen. Instinkte jedenfalls bringt niemand mit Denken in Verbindung. Wir sprechen gewöhnlich von Denken, wenn höhere Gehirnaktivitäten beteiligt sind: beim Verstehen und der Bildung von Sprache, der Analyse von Szenen und von Bildern – immer dann, wenn den visuellen oder akustischen Mustern eine Bedeutung zugeordnet werden kann. Wir denken, wenn wir Situationen analysieren: Wie könnte die Diagnose eines Arztes lauten? Soll ich von dem Sonderangebot eines Supermarktes Gebrauch machen? Lohnt es sich, diesen Artikel bis zum Schluß weiterzulesen?

Wir denken beim Planen und wenn wir Entscheidungen treffen. Wir sind überzeugt, daß das Schachspiel oder die Lösung mathematischer Probleme ein großes Maß an Denken erfordert. Denken ist verknüpft mit Bewußtsein und Introspektion, beides riesige Gebiete, die bisher größtenteils unerforscht geblieben sind.

Das Problem stößt zur Zeit auf großes öffentliches Interesse durch die Frage, ob Tiere denken können oder Bewußtsein haben (s. bdw-highlight „Dem Bewußtsein auf der Spur“). Zahlreiche Experimente zeigen immer deutlicher, daß ganz verschiedene Spezies in der Tat denken können. Aber gibt es eine künstliche beziehungsweise maschinelle Intelligenz? Gibt es künstliche Intelligenz?

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Was ursprünglich für einen Computer schwierig zu sein schien, ist jetzt ziemlich einfach. Ein Beispiel dafür sind Schachcomputer, die sehr stark geworden sind und gelegentlich sogar Großmeister schlagen können – wie kürzlich den amtierenden Weltmeister Garri Kasparov.

Das Geheimnis des Erfolgs von Schachcomputern liegt in ihrer Geschwindigkeit. Sie können eine riesige Zahl von Zügen in kürzester Zeit überprüfen. Diese Computer arbeiten vollständig anders, als ein geübter Schachspieler spielt. Sie arbeiten mehr mit schierer Gewalt als mit Intelligenz.

Wenn wir die Geschwindigkeit betrachten, mit der typische Aufgaben des täglichen Lebens von einem Computer und vom menschlichen Gehirn gelöst werden, so finden wir sofort eine gewaltige Diskrepanz. Die heutigen Computer sind weit davon entfernt, intelligent zu sein, einen Intelligenz-Quotienten (IQ) für Computer gibt es nicht.

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♦ Kon|tra|fak|tur  〈f. 20; Mus.〉 Umdichtung eines Gesangstextes (oft eines weltlichen in einen geistlichen od. umgekehrt) unter Beibehaltung der Melodie [<lat. contrafactus ... mehr

Streich|mu|sik  〈f. 20〉 von Streichern gespielte Musik, Musik für Streicher

Dra|ma|tur|gie  〈f. 19; unz.; Theat.〉 1 Wissenschaft vom Drama u. seiner Gestaltung auf der Bühne, Schauspielkunde 2 Tätigkeit des Dramaturgen ... mehr

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