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Der Bremskeil kehrt zurück

Wollte ein Kutscher seine Droschke stoppen, griff er zu einem brachialen Trick: Er rammte einfach einen Keil zwischen Rad und Radkasten. Die im Prinzip gleiche Technik, die seit Jahrhunderten bei Pferdekutschen angewandt wird, soll bald auch moderne Autos bremsen. Eine elektronisch geregelte Keilbremse, ist man beim Automobilzulieferer Siemens VDO Automotive in Regensburg überzeugt, wird bald die heute gebräuchlichen hydraulischen Bremsen ersetzen. Das Unternehmen hat vor Kurzem einen Prototyp der neuen Hightech-Variante der Keilbremse präsentiert.

Drückt der Fahrer aufs Bremspedal, pressen zunächst Elektromotoren einen Keil – bestehend aus einem Bremsklotz, der über Rollen entlang einer schrägen Fläche geführt wird – auf die Bremsscheibe am Rad. Dadurch verlangsamt sich die Rotation des Rades und dessen Bewegungsenergie wird durch die Reibung in zusätzliche Bremsenergie verwandelt: Der Keil wird fester an die Bremsscheibe gedrückt. Um ein Blockieren der Räder zu verhindern, ist jedes Rad mit einer separaten Kontrolleinheit aus Sensoren und elektronischer Steuerung ausgestattet. Rund hundertmal pro Sekunde messen die Sensoren die Drehgeschwindigkeit des Rads, die Kräfte an der Bremse und die Position des Keils. Durch Vor- und Zurückschieben des Keils mithilfe der Elektromotoren sorgt die Steuerung für eine dosierte und stets optimale Bremskraft.

Die elektronische Regelung der Keilbremse macht auch zusätzliche Sicherheitssysteme wie das Anti-Blockiersystem (ABS) oder die Elektronische Stabilitätskontrolle (ESP) überflüssig. Deren Aufgabe übernimmt eine in die Bremse integrierte Software. Auch Hydraulikleitungen, Bremszylinder und Bremskraftverstärker sind bei einer Keilbremse nicht erforderlich. Dadurch hilft sie, Platz und Gewicht im Wagen zu sparen.

Entwickelt hat die elektronisch geregelte Keilbremse der Ingenieur Bernd Gombert – ein ehemaliger Mitar-beiter des Instituts für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Im Jahr 2000 gründete er die Firma eStop, die von Siemens VDO Automotive Anfang 2005 aufgekauft wurde. Noch Ende 2005 will das Unternehmen die Keilbremse in ein Testfahrzeug einbauen lassen. Bis man die Technik – die sich auch für Lastwagen, Motorräder und Eisenbahnzüge eignet – in Serienfahrzeugen findet, dürfte es aber noch einige Jahre dauern.

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