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Astronomie|Physik Technik|Digitales

Der Mord am eigenen Ahnen

Die Welt steht Kopf – wenn Zeitreisen wahr werden. Wurmlöcher könnten uns in die eigene Zukunft oder Vergangenheit befördern – so lesen es die Physiker aus ihren Formeln. Doch Zeitreisen hätten paradoxe Konsequenzen: Sie würden Ursache und Wirkung durcheinander bringen.

Die Allgemeine Relativitätstheorie macht eindeutige Aussagen über den Zeitfluß an beiden Öffnungen eines solchen Wurmlochs. Aufgrund der Zeitdilatation, die Einstein beschrieben hat, gehen die Uhren an einer bewegten Öffnung langsamer als die Uhren an einer ruhenden. Das ist zumindest der Fall, wenn man sie von außen betrachtet.

Vom Wurmloch aus gesehen stimmt der Zeitfluß an beiden Pforten überein. „Eine unendlich fortgeschrittene Zivilisation könnte also aus einem Wurmloch eine Zeitmaschine konstruieren“, spekuliert Kip Thorne vom California Institute of Technology in Pasadena.

Ein Beispiel: Ein Raumfahrer hat ein kleines Wurmloch im All gefunden und fliegt mit einem Ende des Schlauchs mit nahezu Lichtgeschwindigkeit davon. Wenn er wendet und zum Ausgangspunkt zurückkehrt, sind für seinen Zwillingsbruder, der beim anderen Ende geblieben war, vielleicht Jahrzehnte vergangen, der Raumfahrer selbst ist dagegen kaum gealtert.

Dieses Gedankenexperiment basiert auf Einsteins Zwillingsparadoxon, wonach die Zeit für einen Astronauten in einem schnellen Raumschiff langsamer vergeht als für seinen Zwillingsbruder auf der Erde. Dieses Zwillingsparadoxon läßt sich durch das Wurmloch aufheben. Der zurückgebliebene Bruder braucht bloß durch die bewegte Öffnung des Wurmlochs zu schlüpfen, sobald sein Bruder sie wieder bringt, und gelangt so in seine eigene Vergangenheit – zurück zu seinem jüngeren Selbst, das gerade erst vom Zwillingsbruder verlassen wurde.

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Einzige Einschränkung: Es ist unmöglich, in eine Vergangenheit zu reisen, die weiter zurückliegt als der Zeitpunkt, zu dem das Wurmloch erstmals als Zeitmaschine eingesetzt wurde. Umgekehrt kann sich der verjüngte Zwillingsbruder durch die ruhende Öffnung des Wurmlochs in die Zukunft katapultieren.

David Deutsch und Michael Lockwood von der Universität Oxford haben nach einem anderen Weg für Zeitreisen ohne Paradoxien gesucht. Ihre Hypothese hat aber einen atemberaubenden Preis. Die beiden Physiker stützen sich auf eine provozierende Interpretation der Quantenmechanik, die der amerikanische Physiker Hugh Everett im Jahr 1957 vorschlug. Er vermutete, daß immer, wenn die Natur die Wahl zwischen zwei oder mehr Zuständen hat, sich das Universum in zwei oder mehr identische Paralleluniversen aufspaltet. Dann gibt es ein Universum, in dem dieser Satz mit einem Punkt endet, aber auch eines, in dem das nicht der Fall ist. Und beide haben fortan ihre eigene Geschichte.

Der Sohn kann also tatsächlich in die Vergangenheit reisen und seinen Vater ermorden. Er gelangt in ein Universum, das bis zum Moment seiner Ankunft exakt mit seinem eigenen identisch war, nun aber einen anderen Verlauf nimmt. In diesem Universum wird der Zeitreisende niemals das Licht der Welt erblicken. Aber aus diesem Universum ist er auch nicht gekommen, sondern aus einem anderen, in dem er geboren wurde, weil dort sein Vater keines vorzeitigen Todes starb.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. „Die Frage von Zeitreisen bleibt offen“, gibt auch der Astrophysiker Stephen Hawking zu. „Ich werde darauf jedoch keine Wette abschließen. Der andere könnte ja den unfairen Vorteil haben, die Zukunft zu kennen.“

===Rüdiger Vaas
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