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Der schmutzige Musterknabe

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Stolz posiert ein Arbeiter vor einer neu errichteten Windkraftanlage in der Provinz Ningxia. Bei der jährlich installierten Windkraftleistung liegt China heute weltweit vorn. (Foto: Getty Images)
China ist der weltweit größte Luftverpester – aber zugleich auch der größte Markt für erneuerbare Energien. Das Riesenreich unternimmt seit einigen Jahren enorme Anstrengungen, um den Anteil von Sonne, Wind und Wasserkraft an der Energieversorgung der fast 1,4 Milliarden Menschen im Land zu steigern. Zwar sind nicht alle Maßnahmen gut durchdacht, und manche Pläne der Zentralregierung werden von Provinzpolitikern blockiert. Dennoch ist der Erfolg bereits beachtlich. bdw-Autor Bernd Müller war vor einigen Monaten in China und hat sich dort ein Bild von den aktuellen Entwicklungen gemacht. Im aktuellen bdw-Heft analysiert er, wo das Land Fortschritte erreicht hat und wo es noch Nachholbedarf gibt.

Die Nachrichten aus dem Fernen Osten könnten kaum widersprüchlicher sein. Im November 2014 hatte der chinesische Staatschef Xi Jinping dem US-Präsidenten Barack Obama versprochen, sein Land werde bis 2030 das Maximum des Ausstoßes an Treibhausgasen erreicht haben – danach solle der zumindest nicht mehr weiter steigen. Ein Jahr später belegten dann neue Zahlen, dass die chinesischen CO 2-Emissionen erheblich höher sind, als die Daten das bislang vermuten ließen. Das Land verfeuerte demnach seit 2000 weitaus mehr Kohle als früher behauptet – eine enorme zusätzliche Belastung für das Weltklima.

Fakt ist allerdings: Kein anderes Land weltweit investiert heute mehr Geld in die Nutzung erneuerbarer Energiequellen als China. 2014 ließen sich die Chinesen das umgerechnet über 80 Milliarden Euro kosten. Der Anteil von Strom aus regenerativen Quellen am Strommix des Landes betrug Ende 2014 rund 13 Prozent – und er soll weiter steigen.

China überflügelt Deutschland

Beim Solarstrom hat China den einstigen Weltmeister Deutschland inzwischen überflügelt – dem Preisverfall für Photovoltaikanlagen sei Dank, der in China seinen Ausgang nahm. Auch bei Strom aus Windkraft geben die Ostasiaten mächtig Gas: Obwohl weite Teile des Landes eher windarm sind, legt der Bau neuer Rotoren von Jahr zu Jahr weiter zu. Inzwischen ist in China rund dreimal so viel Windkraftleistung installiert wie in Deutschland. Und selbst der – auch in China umstrittene – Ausbau der Wasserkraftnutzung schreitet weiter voran: Allein in Tibet, wo viele große Flüsse entspringen, sind rund 100 neue Staudämme geplant.

Allerdings: Die chinesische Bauwut täuscht darüber hinweg, dass vieles nicht rund läuft beim Umbau der Energieversorgung. So war bis vor einigen Jahren ein großer Teil der Windparks zwischen Himalaya und Gelbem Meer gar nichts ans Netz angeschlossen. Und der antiquierte Strommarkt hat nach Ansicht von Experten dringend eine Reform nötig, damit die ambitionierten Maßnahmen der Regierung in Peking greifen können. Lesen Sie mehr über Fakten und Hintergründe des chinesischen Energiewandels in der aktuellen Ausgabe von bild der wissenschaft.

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