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Der Stradivari-Pilz

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Ein Pilz soll helfen, die berühmten Meisterwerke des Geigenbauers Stradivari nachzubauen.
Schweizer und deutsche Forscher wollen den Klang von Geigen auf eine kuriose Art verbessern: Sie infizieren das Holz für den Instrumentenbau mit Pilzen und lassen das Material für einige Wochen gezielt dahinrotten. Dadurch verringert sich die Dichte des Fichten- und Bergahornholzes. Das auf diese Weise behandelte Holz bekommt bessere klangliche Eigenschaften, haben die Wissenschaftler um Francis Schwarze von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in St. Gallen herausgefunden. Mit einem Geigenbauer wollen die Forscher nun Instrumente konstruieren, die besser an den legendären Wohlklang einer Stradivari herankommen.

Für seine unter Musikern hoch gehandelten Instrumente verwendete Antonio Stradivari im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert Fichtenholz für die Oberseite und Bergahorn für den Boden. Wissenschaftler vermuten, dass die Hölzer unter den damaligen klimatischen Bedingungen leicht veränderte Eigenschaften hatten: In der sogenannten Kleinen Eiszeit von 1675 bis 1715 legten die Bäume bei im Durchschnitt um ein Grad Celsius niedrigeren Temperaturen als heute ihre Jahresringe enger an. Dadurch verringerte sich die Dichte des Holzes, womit sich auch die klanglichen Eigenschaften der Instrumente veränderten.

Genau diesen Effekt wollten die Forscher mit der Pilzbehandlung des Holzes nachahmen. Sie impften Fichten- und Bergahornproben mit zwei verschiedenen Pilzen. Die Pilze begannen zwar ihr Zerstörungswerk und zersetzten Teile des Zellgewebes. Den Holzbestandteil Lignin in den Zellwänden ließen sie jedoch intakt. Nach zwanzig Wochen war die Dichte des Holzes um zehn Prozent reduziert. Schall konnte sich im Material besser ausbreiten, stellten die Forscher fest. Sie hoffen, mit dieser Präparationsmethode dem Ausgangsmaterial einer Stradivari noch näher zu kommen. Noch in diesem Jahr sollen Geigenbauer aus dem so behandelten Holz sechs Instrumente herstellen: drei mit der Pilzbehandlung und drei ohne. In einem Blindversuch sollen Experten dann angeben, ob und welche Unterschiede zwischen den Geigen zu hören sind.

Nature, Onlinedienst, DOI: 10.1038/news.2008.894 Originalarbeit der Forscher: Francis Schwarze (Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in St. Gallen) et al.: New Phytologist, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1111/j.1469-8137.2008.02524.x ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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