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Technik|Digitales

Der Zwist um die Web-Rekorder

Fernsehfilme kann man statt mit einem herkömmlichen Videorekorder auch übers Internet aufnehmen. Doch die Anbieter dieses Online-Services stehen mächtig unter Druck.

Es ist wie so oft: Man möchte bloß den Videorekorder programmieren – doch schon geht das Kramen los. Auf welchem der Videobänder, die sich um den Fernsehapparat herum stapeln, ist noch genug Platz? Hat man endlich ein freies Band gefunden, wird das Aufnehmen oft mühselig. Glücklich ist, wer einen Rekorder hat, der den Code der Aufnahmehilfe „Showview“ versteht. Der Rest der Fernsehnation muss Datum, Uhrzeit und Programm von Hand eingeben. Eine grafische Bedienungsoberfläche sucht man bei den analogen Videorekordern vergeblich.

Einfacher geht es mit einem modernen Festplattenvideorekorder – oder, falls man die Investition von rund 500 Euro scheut, mit einem virtuellen Videorekorder. Das ist ein internetbasiertes Angebot, um Fernsehsendungen online aufzuzeichnen und dann auf den PC herunterzuladen. Drei Anbieter tummeln sich derzeit im deutschen Teil des Webs: shift TV, save.TV und OnlineTvRecorder.com (OTR).

Die drei Online-Dienstleistungsunternehmen unterscheiden sich in erster Linie durch ihre Finanzierungsmodelle: Während OTR Werbebanner auf seinen Seiten schaltet und deswegen für die Nutzer kostenlos ist, lassen sich die beiden Konkurrenten ihre Rekorderdienste bezahlen: Ein Abonnement ist ab etwa 4 Euro im Monat zu haben.

Die Bedienung der virtuellen Videorekorder ist denkbar einfach: Aufnahmen werden über einen „Electronic Programme Guide“ (EPG) programmiert – eine für das Internet aufbereitete elektronische Fernsehzeitschrift. Ein Klick auf die gewünschte Sendung reicht, um ihre Aufzeichnung zu veranlassen. Im Angebot der drei deutschen Anbieter sind die Free-TV-Kanäle sowie die nur über Satellit zu empfangenden Spartenkanäle der öffentlich-rechtlichen Sender wie „ARD Eins plus“ und der „ZDF Theaterkanal“. Ist die Aufzeichnung beendet, wird die Datei mit der TV-Sendung auf den Rechner geladen und dann mit einem Programm wie dem Windows MediaPlayer abgespielt. Will man die Aufnahme auf dem Fernseher anschauen, muss man ihn an den Computer anschließen.

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Einen Breitband-Internet-Zugang, zum Beispiel einen DSL-Zugang, ohne Zeit- oder Volumenbegrenzung sollte man allerdings haben, um die aufgezeichneten Filme auf den heimischen Rechner zu transferieren. Eine Folge des 3sat-Wissenschaftsmagazins „nano“(Dauer: rund 30 Minuten) etwa kommt auf rund 170 Megabyte (MB), ein anderthalb Stunden langer „ Tatort“-Krimi sogar auf etwa 400 MB.

Da ist mitunter Geduld das Gebot der Stunde. Theoretisch dauert das Herunterladen von 400 MB per DSL nur eine knappe Stunde, bisweilen – wenn die Leitung von vielen Nutzern in Beschlag genommen wird – aber auch deutlich länger. Immerhin: Gegen eine kleine Spende (abhängig von der Dateigröße – für einen Spielfilm etwa 20 Cent) bekommt man bei OTR eine bessere Verbindung und kann den Bits dadurch Beine machen. Dem Surfer, der per simplem Modem an die virtuelle Welt angeschlossen ist, hilft das aber nicht: Für ihn dürfte sich die Zeit, um einen Spielfilm herunterzuladen, eher nach Tagen als nach Stunden bemessen.

Anders ist das bei den kostenpflichtigen Diensten: „Weil das Aufzeichnen von Filmen bei uns Geld kostet, können wir auch teure und belastbare Technik einsetzen“, sagt Michael Westphal, Geschäftsführer der Firma Netlantic, des Betreibers von shift TV. Bei shift TV gehe der Download, „wenn es gut läuft“, in Echtzeit. Das ermöglicht es, Sendungen zu streamen, also schon während des Herunterladens abzuspielen. In der Praxis jedoch stockt der Stream auch mal, wenn der Server zu stark beansprucht wird.

Qualitativ erinnern die Aufnahmen an die Kost, die man von seinem alten analogen Videorekorder oder von Filmchen im Web her kennt. „Wir bieten nur die halbe Bildgröße an, aber die dafür gestochen scharf“, sagt Westphal. Zieht man den Film jedoch auf volle Bildschirmgröße, sind Störungen nicht zu vermeiden. Von DVD-Qualität ist das weit entfernt.

Juristisch bewegen sich Online-Videorekorder auf unbekanntem Terrain. Die Betreiber berufen sich bei ihrer Tätigkeit auf das Recht auf Privatkopie (Paragraf 53 des Urheberrechts). Danach dürfen Nutzer von urheberrechtlich geschützten Werken Kopien für nichtkommerzielle Zwecke anfertigen, zum Beispiel einem Freund eine CD aufnehmen oder eben auf dem Videorekorder im Wohnzimmer eine Sendung für das Hausarchiv aufzeichnen. Sein Dienst sei lediglich eine Erweiterung des heimischen Videorekorders, und Aufzeichnungen von Fernsehsendungen mit diesem verletzten schließlich auch nicht das Urheberrecht, argumentiert Netlantic-Geschäftsführer Westphal. Diese Ansicht teilt man übrigens bei der ARD.

Nach Meinung des privaten Medienkonzerns ProSiebenSat.1 in München hingegen machen die Betreiber der Online-Videorekorder Geschäfte mit fremden Inhalten. „Das ist eine Urheberrechtsverletzung“, sagt Konzernsprecherin Katja Pichler. Ähnliche Töne sind von RTL in Köln zu hören, dem Marktführer unter den deutschen Privat-Fernsehstationen: „Angebote wie shift TV verstoßen gegen uns zustehende Rechte, insbesondere das Senderecht und das Vervielfältigungsrecht. Dabei ist es unerheblich, ob dies gegen Bezahlung oder kostenfrei erfolgt, da es hier nicht nur um Kommerzialisierung, sondern primär um die Verletzung unseres Eigentumsrechts geht“, stellt RTL-Sprecherin Bettina Klauser klar.

Nach den Umsatzeinbußen, die die Musikindustrie in den letzten Jahren durch Internet-Tauschbörsen hinnehmen musste, liegen die Nerven in Teilen der Medienbranche blank. Prompt zogen einige der Fernsehstationen vor Gericht, darunter auch ProSiebenSat.1. Die Richter am Landgericht Leipzig schlossen sich der Argumentation des Münchner Medienunternehmens an und erließen Einstweilige Verfügungen gegen shift TV und OTR. Das Oberlandesgericht Dresden hat die Entscheidung Mitte Januar bestätigt. Da half auch ein spezielles System nichts, das es OTR-Nutzern erlaubt, nur solche Sendungen anzuschauen, die sie selbst aufgezeichnet haben: OTR verschlüsselt die aufgezeichneten Videos. Um ein Video abzuspielen, muss der Nutzer die Datei erst mit einem Dekoder-Programm entschlüsseln – und das geht nur mit einer selbstprogrammierten Aufnahme.

Netlantic hat gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Nach der einstweiligen Verfügung tilgte das Unternehmen die RTL-Programme und Sat.1 aus dem Angebot. Andere Free-TV-Kanäle kann man jedoch weiterhin über shift TV aufzeichnen, auch wenn das „ein riskantes Spiel“ sei, wie ProSiebenSat.1-Sprecherin Pichler meint: „Wenn sie das Hauptverfahren verlieren, wird das teuer.“ Immerhin: In einem anderen, von RTL initiierten Verfahren entschieden die Richter, es spreche nichts gegen unentgeltliche Aufnahmen, weshalb man bei shift TV RTL-Programme kostenlos aufzeichnen kann.

Die Vehemenz, mit der etliche TV-Anbieter auf die Online-Videorekorder reagieren, hat aber auch einen anderen Grund: Sie wollen ihre Inhalte selbst „on demand“ über das Internet vermarkten. Die ProSiebenSat.1-Gruppe macht es vor: „ Maxdome“ heißt das Angebot, das Pichler als „legale Möglichkeit, unsere Inhalte downzuloaden“ bezeichnet. Im Hause RTL bereitet man ein vergleichbares Angebot vor, sagt Sprecherin Bettina Klauser. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten stellen bereits heute Inhalte im Internet zur Verfügung. So können Fans der Dauerserie „Lindenstraße“ die aktuellen Folgen kostenlos über die Serien-Website anschauen.

Vorteil der On-Demand-Angebote gegenüber den Rekordern: Der Kunde ist nicht auf das Programm der Sendeverantwortlichen angewiesen, sondern kann reichlich aus dem Fundus schöpfen. Bei Maxdome gibt es beispielsweise die Episoden der Erfolgsserie „ Desperate Housewives“ schon eine Woche vor der Ausstrahlung im Fernsehen – kostenpflichtig versteht sich: Wenigstens 99 Cent kostet das TV-Vergnügen auf Abruf. Für die beliebten verzweifelten Hausfrauen oder für monumentale Hollywoodschinken wie „Troja“ muss der Zuschauer etwas tiefer in die Tasche greifen: 2,49 Euro kostet eine vorgezogene Folge der Vorstadtzicken, 2,99 Euro muss man für Brad Pitt als griechischer Held Achill berappen.

Werner Pluta

COMMUNITY Internet

Homepages der Anbieter von Online- Videorekordern:

www.shift.tv www.save.tv www.onlinetvrecorder.com

Portal der privaten TV-Sender Sat1, ProSieben, kabel eins und N24 zum Herunterladen von Videofilmen: www.maxdome.de

Online-Ausgabe der Lindenstraße: www.lindenstrasse.de

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