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Die Erben des Grafen Zeppelin

Flugzeuge rasen durch die Luft, Hubschrauber machen viel Krach und Wind. Es gibt aber noch eine andere Art der fliegenden Fortbewegung: Die Luftschifffahrt. Jahrzehntelang hatten die Zeppeline das Image der Dinosaurier der Luftfahrt – sie galten als ausgestorben. Doch bereits seit zehn Jahren gibt es wieder einen Vertreter der „schwebenden Zigarren“, den so genannten Zeppelin neuer Technologie, kurz NT. Mit dem Erfolg dieses Konzepts erlebt die Luftschifftechnik derzeit eine kleine Renaissance: Die Touristik und die Forschung entdecken die Vorzüge des schwebenden Reisens – sogar große Zeppeline, für bis zu 45 Passagiere, könnten in Zukunft wieder über Deutschland unterwegs sein.

Das Konzept „leichter als Luft“ bietet nach wie vor einige Vorteile gegenüber Flugzeug oder Hubschrauber, erklärt Jürgen Bleibler vom Zeppelinmuseum in Friedrichshafen. „Ein Luftschiff gleitet sanft dahin, macht wenig Lärm und kann in der Luft stehenbleiben. Die wirtschaftlichen Potenziale liegen aber durchaus auch in der Faszination vieler Menschen für die schwebenden Giganten“, so Bleibler. Im Zeppelinmuseum in Friedrichshafen am Bodensee lebt dieser Mythos weiter. Dort gibt es beispielsweise eine begehbare Rekonstruktion eines Teils der Hindenburg zu bestaunen, die mit 245 Metern das größte aller Luftschiffe war und als fliegendes Hotel 72 Passagieren Komfort über den Wolken bot.

Die spektakuläre Explosion des riesigen Luftschiffs 1937 in Lakehurst läutete das Ende der klassischen Zeppelinära ein. „In der Folge gab es dann nur noch kleine Luftschiffe, vor allem als Werbeträger“, sagt Bleibler: „Das waren Prallluftschiffe, auch Blimps genannt – genau genommen sind das nur gasgefüllte Ballons in Zigarrenform, die im Gegensatz zu den klassischen Zeppelinen über kein inneres Gerüst verfügen. Diese Luftschiffe sind in ihren Ausmaßen beschränkt, da ab einer bestimmten Größe die Materialbelastung zu groß wird.“ Erst im Jahr 1993 bekamen die legendären Luftschiffe mit dem 75 Meter langen Zeppelin NT, der Platz für 14 Passagiere bietet, wieder Auftrieb.

Auch größere Luftschiffe könnte es vielleicht bald wieder geben. Die Konzepte dazu sind verknüpft mit einem berühmten Namen: Wolfgang von Zeppelin, ein Mitglied der Familie des legendären Grafen, ist Verwaltungsratspräsident der Zeppelin-Europe-Tours AG. Das 2005 gegründete Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, 125 Meter lange Luftschiffe für den Tourismus zu bauen, die bis zu 45 Passagieren Platz bieten. Sie sollen Z-Luftschiffe heißen. „Den Atlantik werden wir allerdings nicht mehr überqueren“, erklärt Zeppelin. „Die Luftschiffe sollen in Rundflügen zehn europäi¬sche Städte anfliegen, auch Dres¬den und Berlin sollen dazugehören“.

Das „majestätische Kreuzen“ in niedriger Höhe, mit guter Bodensicht und in komfortabler Atmosphäre wird den Erfolg des Konzepts ausmachen, ist Zeppelin überzeugt. Jetzt sind Investoren gefragt, die sich an dem etwa 350 Millionen Euro schweren Projekt beteiligen. Technisch soll sich das Konzept Z-Luftschiff am Zeppelin NT orientieren. „Wir arbeiten eng zusammen“, betont Zeppelin. Er war selbst bis 1999 Geschäfts¬führer der Zeppelin Lufttechnik GmbH in Friedrichshafen.

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Mit dieser Kooperation hat das Vorhaben deutlich bessere Startvoraussetzungen als das gescheiterte letzte große Luftschiff-Projekt: Der „Cargolifter“ erregte Anfang des Jahrzehnts großes öffentliches Aufsehen und stand bereits kurz vor der konkreten Verwirklichung. Die Riesenluftschiffe sollten ein¬mal das Transportwesen revoluti¬onieren und sperrige, bis zu 160 Tonnen schwere Güter über große Entfernungen transportie¬ren. Das Projekt verschlang mehrere hundert Millionen Euro, doch nicht zuletzt wegen der enormen technischen Herausforderungen ging 2002 der CargoLifter AG schließlich das Geld aus.

Neben den weitestgehend traditionellen Konzepten zum Luftschiff gibt es allerdings auch noch ganz neue Ideen. Schweizer Wissenschaftler der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) bei Zürich wollen
Luftschiffe durch die Luft „schwimmen“ lassen, ähnlich wie Forellen im Wasser. Und das mit cleverer Technik: In der Haut der Prallluftschiffe sollen künstliche Muskeln stecken, die sich ferngesteuert zusammenziehen und entspannen. So biegt das Luftschiff den Rumpf und bewegt zugleich die Schwanzflosse in die entgegengesetzte Richtung. Handelsübliche Acrylfolie und leitfähige Polymere bilden die künstlichen Muskeln. Durch elektrische Spannung ziehen sich die beiden Schichten zusammen – so entsteht der Flossenschlag.

Mit ihrem neuen Konzept wollen die Forscher gleich zwei Probleme der herkömmlichen Luftschiffe umgehen: Sie haben einen schlechten Wirkungsgrad, vergeuden also Energie. Die fischartige Fortbewegung, kombiniert mit einer schlanken forellenähnlichen Form, halbiert den Energieaufwand, so die Forscher. Einen ersten Prototypen gibt es bereits – die Forscher haben ein Prallluftschiff mit den künstlichen Muskeln ausgerüstet und erfolgreich getestet. Bisher übernehmen diese allerdings nur die Steuerung, die Fortbewegung per Flossenschlag soll bald folgen.

ddp/wde – Martin Vieweg
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zy|to|sta|tisch  auch:  zy|tos|ta|tisch  〈Adj.; Pharm.〉 das Zellwachstum (besonders der Krebszellen) hemmend ... mehr

Zel|le  〈f. 19〉 1 kleiner, schmuckloser Raum, dessen Einrichtung auf das Notwendigste beschränkt ist (Dusch~, Gefängnis~, Mönchs~, Telefon~) 2 Teil der Bienenwabe, in dem der Honig gesammelt wird ... mehr

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