Feuermelder ohne Fehl und Tadel - wissenschaft.de
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Feuermelder ohne Fehl und Tadel

Ein neues Rauchmeldesystem kann zwischen dem Rauch einer Zigarette und dem eines echten Brandes unterscheiden. Damit könnte in Zukunft die Zahl falscher Alarme drastisch reduziert werden, hoffen die Entwickler. In ersten Tests in einem Bürogebäude und einem Recyclingbetrieb hat sich der clevere Rauchmelder, der mit einer Kombination verschiedener Sensorarten arbeitet, bereits bewährt. Kommerziell erhältlich soll das neue System im Herbst 2006 sein.

Schätzungsweise 90 Prozent aller Brandmeldungen von automatischen Feuermeldern stellen sich später als falscher Alarm heraus. In Frachtflugzeugen liegt die Rate häufig sogar noch höher, da dort kondensierende Feuchtigkeit den Alarmsystemen vorgaukeln, es seien Rauchpartikel in der Luft. Feuerwehren müssen daher jeden Alarm genau prüfen, was im Ernstfall zu gefährlichen Verzögerungen führen kann. Auch in Gebäuden ist ein zu häufiges Anschlagen eines Feuermelders kontraproduktiv: Mitarbeiter und Besucher beginnen, den Alarm zu ignorieren und reagieren im Ernstfall zu spät.

Um Fehlalarme zu minimieren, hat ein Konsortium aus Firmen und Universitäten aus verschiedenen europäischen Ländern nun das intelligente System namens IMOS entwickelt. Dazu kombinierten die Forscher einen klassischen optischen Sensor, der Rauchpartikel anhand der Lichtstreuung identifiziert, mit einem so genannten leitenden Polymer. Diese Kunststoffe verändern ihre elektrische Leitfähigkeit in Anwesenheit von Gasen, wobei verschiedene Varianten auf unterschiedliche Gase reagieren.

Für ihr IMOS-System identifizierten die Entwickler zuerst die Chemikalien, die typischerweise beim Verbrennen von Holz, Baumwolle, Papier, verschiedenen Kunststoffen und Zigaretten entstehen. Dann statteten sie ihren Rauchmelder mit einer Reihe leitender Polymersensoren aus, die auf genau diese Substanzen reagieren. Registriert nun der angeschlossene optische Sensor Rauchpartikel, aktiviert er diese Kunststoffsensoren. Diese untersuchen dann die Art des Rauchs und schlagen nur dann Alarm, wenn sie bestimmte Kombinationen von Substanzen detektieren.

Erste Tests im Raucherzimmer eines Büros und einem Recyclingbetrieb, in dem die Luft viel Staub und flüchtige Chemikalien enthält, seien sehr vielversprechend verlaufen, berichten die Entwickler: In keinem Fall habe der Rauchmelder einen falschen Alarm ausgelöst. Bis zur Markteinführung im Herbst wollen die Wissenschaftler nun das System noch perfektionieren, indem sie beispielsweise Reaktionszeiten der Sensoren verkürzen.

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Forschungsnachrichtendienst IST Results ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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