Geruchsrekorder zeichnet Düfte auf - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Technik+Digitales

Geruchsrekorder zeichnet Düfte auf

Japanische Tüftler haben ein Aufnahmegerät für Düfte entwickelt: Genauso, wie ein Videorekorder Bilder oder ein Audiorekorder Töne registriert, zeichnet der Geruchsrekorder einen Duft auf, analysiert ihn und kann ihn auf Knopfdruck wiedergeben. Herzstück des neuen Geräts sind 15 duftempfindliche Sensoren ? so genannte elektronische Nasen ?, die einen Geruch in seine einzelnen Komponenten zerlegen und in eine Art Rezept übersetzen. Soll der Geruch später wiedergegeben werden, dient dieses Rezept als Vorlage für die richtige Chemikalienmischung. Der Duftrekorder kann nicht nur beim Online-Shoppen helfen, sondern auch virtuelle Realitäten verbessern oder sogar bei der Diagnose von Krankheiten assistieren, berichtet das Wissenschaftsmagazin „New Scientist“.

Im Gegensatz zu anderen Duftgeneratoren verwendet das neue System nicht fertige Duftstoffmischungen, sondern setzt auf eine Batterie von 96 ungiftigen Chemikalien, aus denen der Duft jedes Mal so originalgetreu wie möglich zusammengemischt wird. Möchte der Benutzer einen Geruch wiedergeben, vermengt das Gerät kleine Tropfen der entsprechenden Substanzen, erhitzt und verdampft sie. In bisherigen Tests hat der Rekorder erfolgreich die Düfte von Orangen, Zitronen, Melonen, Bananen und Äpfeln aufgezeichnet und wiedergegeben, erklären die Forscher. „Wir können sogar sagen, ob es sich um einen grünen oder einen roten Apfel handelt“, berichtet Pakpum Somboon, einer der Entwickler vom Tokyo Institute of Technology.

Das Gerät könnte beispielsweise Nutzern von Online-Shops bei der Auswahl helfen, indem es die Düfte der angebotenen Parfums oder Lebensmittel direkt während des Surfens erzeugt, meldet der „New Scientist“. Weniger appetitlich, aber sehr nützlich wäre dagegen der Einsatz des Duftrekorders als Hilfe für medizinisches Personal in abgelegenen Krisengebieten. Dazu würde ein Sanitäter vor Ort den Geruch von Blut, Urin oder Galle eines Verletzten aufnehmen und die Daten an einen Arzt im Krisenzentrum weiterleiten, der dann auf dieser Basis eine Diagnose stellen könnte. Wann der Duftrekorder in den Handel kommen soll, haben die Forscher allerdings bislang nicht bekannt gegeben.

New Scientist, 1. Juli, S. 32 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

kon|ge|ni|tal  〈Adj.; Med.〉 angeboren [zu lat. congenitus ... mehr

Sub|li|mie|rung  〈f. 20〉 1 Steigerung ins Erhabene, Verfeinerung, Läuterung 2 〈Chem.〉 = Sublimation ... mehr

En|dor|phin  〈n. 11; meist Pl.; Biol.; Med.〉 körpereigener Stoff, biochemisch dem Morphin ähnlich, der schmerzstillend wirkt; oV Endomorphin ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige