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Impfen mit Knalleffekt

Kapseln aus einem neuartigen Hydrogel können Medikamente zu einem genau definierten Zeitpunkt an den menschlichen Körper abgeben. Unter die Haut gespritzt saugt sich das Gel in den Kapseln mit Körperflüssigkeit voll, sprengt die Kapselhülle ab und lässt den eingeschlossenen Wirkstoff ausströmen. Das haben belgische Forscher um Stefaan De Smedt von der Universität in Gent in Laborexperimenten demonstriert. Erste Versuche mit Mäusen sollen im nächsten Jahr folgen.

Das Gel besteht aus Molekülen des Zuckers Dextrin, die miteinander über wasserlösliche Verbindungen vernetzt sind. Die Zahl und die dreidimensionale Anordnung der Verbindungen entscheiden darüber, wie schnell diese sich bei Kontakt mit Wasser oder Körperflüssigkeiten auflösen und wie rasch dann das Gel Flüssigkeit aufsaugt. Das aufquellende Gel bringt die Kapsel zum Absprengen ihrer Hülle und verteilt damit die enthaltene Medikamentendosis im Körper.

An sich ist die Idee mit den rund zehn Mikrometer großen Kapseln, die sich im Körper auflösen und Wirkstoffe abgeben, nicht neu. De Smedt betont aber, dass der Abgabezeitpunkt mit dem neuen Material sehr viel genauer eingestellt werden könne als bei bisher verwendeten Materialien. So könnten beispielsweise Impfungen gegen Hepatitis B, Hirnhautentzündung oder Lungenentzündung, die aus mehreren Teilimpfungen in größerem zeitlichen Abstand bestehen, nun durch eine einzige Injektion erfolgen. Ein Teil der Kapseln würde dabei so konzipiert, dass sie sich sofort auflösen, während andere Kapseln erst in einigen Wochen oder Monaten ihren Inhalt freigeben und damit die Impfung komplettieren.

Die mikrometergroßen Kapseln sollen dabei direkt unter die Haut gespritzt werden, da eine direkte Injektion in die Blutbahn ein Verklumpungsrisiko darstellen würde, so der New Scientist. Für eine Impfung würden rund 100.000 bis eine Million Mikrokapseln benötigt. Das System sei etwa für Entwicklungsländer interessant, wo die Menschen schlechten Zugang zu Ärzten und Krankenhäusern haben.

New Scientist (10. Dezember, S. 32). ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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