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Kleine Schweizer Firma entwickelte die ersten marktfähigen Bio-Solarzellen

Seit neun Jahren versuchen hoch bezahlte Wissenschaftler und Industriekonzerne vergeblich, eine serienreife Bio-Solarzelle nach dem Vorbild von Pflanzenzellen herzustellen. Geschafft haben es nun drei Mitarbeiter einer kleinen Glasbau-Firma in der Schweizer Provinz, der 19 Jahre alte kaufmännische Lehrling Fabian Flury, der Verfahrenstechniker Roger Monard und Firmenchef Martin Kurth. Vor den Ergebnissen der drei Praktiker aus Zuchwil im Kanton Solothurn, von denen keiner ein Ingenieur-Studium abgeschlossen hat, muss nun sogar der Zürcher Professor Michael Grätzel den Hut ziehen.

Er hatte es mit der Erfindung der ersten Bio-Solarzelle 1991 zwar zu einer vielbeachteten Veröffentlichung im Wissenschaftsmagazin „Nature“ gebracht, war an der späteren Umsetzung für Alltag und Industrie jedoch gescheitert. „Ich glaubte erst nicht an Herrn Kurths Ideen“, räumt Grätzel nun öffentlich ein. „Doch er hat es allen gezeigt. Ich habe größte Hochachtung vor seiner Leistung.“ In Grätzels Solarzelle, die der passionierte Kampfsportler Kurth mit seinen Mitarbeitern nun perfektioniert hat, erntet ein Farbstoff auf einer Glasplatte die Energie der Sonne, ähnlich wie es das Blattgrün der Pflanzen tut.

Das Sonnenlicht regt in der Bio-Solarzelle Elektronen an, die durch eine Leiterschicht hindurchgeschickt werden und anschließend ans Stromnetz abgegeben werden. Die größte Schwachstelle der Grätzel-Zelle war bisher der allmähliche Zerfall der Leiterschicht aus Silberfäden, die man für das Einsammeln der Elektronen benötigt. „Das Silber oxidierte einfach“, erklärt Kurth. „Wir haben deshalb einen Korrosionsschutz aus Keramik entwickelt, der eine lange Haltbarkeit der Solarzelle garantiert.“ Was heute einfach klingt, hat die Firma Kurth Glas und Spiegel AG an die Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten gebracht und bedeutete für das Forscher-Trio zahlreiche Nachtschichten.

Nicht umsonst rekrutiert Trainer Kurth seine Mitarbeiter bevorzugt in der Kampfsportschule. „Da sieht man, wer den meisten Durchhaltewillen hat“, meint der 46-Jährige. Die Mühe hat sich gelohnt. Die Solarzellen-Forschung brachte dem 25-Mitarbeiter-Betrieb den mit 100.000 Franken (rund 125.000 Mark) dotierten Unternehmerpreis 2000 der Schweizer W.A. de Vigier Stiftung ein. Mehrere potenzielle Investoren haben inzwischen an das Werktor in Zuchwil geklopft. „Die Einsatzmöglichkeiten für unsere Solarzelle sind eben vielfältig“, meint Kurth, „von der Gebäudetechnik über Solarkraftwerke bis hinzu Batterie-Ladestationen“. An die Rekord-Wirkungsgrade optimierter Silizium-Solarzellen reicht die neue Schweizer Bio-Solarzelle zwar nicht heran. Dafür liefert sie aber auch bei mitteleuropäischen Herbstwetter noch gute Ergebnisse.

„Unsere Zelle gibt sogar bei Nebel noch Strom“, versichert Kurth. Bei starkem Sonnenlicht liege die Bio-Zelle mit einem Wirkungsgrad von 7,8 Prozent des Sonnenlichts zwar nur im Mittelfeld. Dafür sei das Ergebnis von 5,5 Prozent Wirkungsgrad bei schwachem Licht aber sehr beachtlich. Außerdem gebe es bei der neuen Bio-Zelle kein Entsorgungsproblem. Auch Lehrling Flury, der von Kurth als „Querdenker“ eingestellt worden ist und seine beiden erfahreneren Kollegen bei der Suche nach der optimalen Bio-Zelle immer wieder durch verblüffende Vorschläge überrascht hat, ist von der Zukunft ihres Produkts fest überzeugt. Dem Schweizer Magazin „Facts“ verriet der Jung-Kaufmann bereits: „Wenn ich 100 Millionen verdient habe, höre ich auf zu arbeiten“.

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dpa
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