Konsumschlacht Black Friday: Verlierer ist die Umwelt - wissenschaft.de
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Konsumschlacht Black Friday: Verlierer ist die Umwelt

Paketstapel
Allein die deutschen Online-Käufe eines Jahres ergeben einen Paketstapel bis zum Mond. (Foto: cybrain/ iStock)

In dieser Woche boomt der Online-Handel wie im ganzen Jahr nicht. Denn es ist Black Friday – und damit der von Rabatten angeheizte Höhepunkt des jährlichen Konsumrauschs. Doch welche Folgen das Online-Shopping und die damit verknüpften massenhaften Retouren für die Umwelt haben, wissen nur die wenigsten. Allein die Verpackung der Waren macht 45 Prozent des gesamten deutschen Verpackungsmülls aus und ein Drittel der Produkte wird als Retoure ungenutzt vernichtet und weggeworfen.

Die Idee des Black Friday stammt ursprünglich aus den USA. Dort markiert der Freitag nach Thanksgiving traditionell den Beginn der Weihnachtssaison und damit auch der Weihnachtseinkäufe. Der Online-Handel nutzt diesen Tag – und teilweise auch schon die gesamte Woche – um Käufer mit besonderen Rabatten zum Kauf zu verlocken. Mit Erfolg: Der Black Friday ist inzwischen ein Höhepunkt im jährlichen Konsumrausch. Kleidung in allen möglichen Farben, Stilen und Größen, Bücher, Smartphones und Fernseher – was nicht passt oder nicht gefällt, kann ja zurückgeschickt werden.

Paketstapel bis zum Mond

Doch den Preis für den zunehmende Online-Handel zahlt vor allem die Umwelt. „Der Black Friday ist ein schwarzer Tag für die Umwelt“, sagt Viola Wohlgemuth, Sprecherin von Greenpeace. „Unser Konsum vernichtet immer mehr Ressourcen und heizt die Klimakrise an. Verbraucher sollten sich bewusst sein, dass jedes einzelne Paket Folgen für die Umwelt hat.“ Ein Problem dabei: Weil das Kaufen im Internet so einfach und bequem ist, verleitet es uns dazu, weit mehr zu kaufen, als wir eigentlich benötigen. Entsprechend stark boomt der Handel: Für 2018 erwartet der Handelsverband Deutschland einen Umsatz von 53,4 Milliarden Euro – viermal so viel wie noch im Jahr 2008.

Als Folge steigt der Verbrauch von Ressourcen und es fällt jede Menge Müll an: 2016 betrug der Berg an Papier, Pappe, Karton und Plastik zum Verpacken des Warenversandes 8,1 Millionen Tonnen – das entspricht knapp 45 Prozent des Verpackungsmülls in Deutschland. Hinzu kommt: Der Transport der unzähligen Pakete und Päckchen führt zu einem zunehmenden Lieferverkehr und entsprechenden Emissionen – schlecht fürs Klima. Allein im Jahr 2017 wurden rund 3,4 Milliarden Online-Bestellungen zu deutschen Verbrauchern geschickt. Geht man von einer mittleren Pakethöhe von 20 Zentimetern aus, würde dieser Paketstapel einmal von der Erde bis zum Mond und knapp wieder zurück reichen.

Retouren – aus Kostengründen vernichtet

Die Möglichkeit zum Zurückgeben ist praktisch, wenn beispielsweise ein Kleidungsstück oder Schuhe doch nicht richtig passen. Doch immer häufiger nutzen Online-Käufer sie übermäßig: Sie bestellen beispielsweise eine Auswahl von Kleidungsstücken schon mit der festen Absicht, einige davon zurückzuschicken. Eine Umfrage von Greenpeace hat ergeben, dass diese Praxis vor allem bei den „Heavy Shoppern“ verbreitet ist – bei Menschen, die mehr als zehn Teile pro Jahr online bestellen. Jeder zweite von ihnen schickt regelmäßig Bekleidung oder Schuhe zurück.

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Das Problem dabei: Die Retouren bedeuten nicht nur zusätzliche Transporte und damit klimaschädliche Emissionen. Ein Großteil der zurückgesendeten Waren wird auch gar nicht neu verkauft, sondern schlicht entsorgt und in den Müll geworfen. Das Sichten und Neuverpacken der Waren ist meist zu arbeitsintensiv und lohnt sich daher nicht. Marktführer Amazon soll Recherchen zufolge sogar rund 30 Prozent der Retouren vernichten. „Entsorgungs-Teams“ schreddern demnach an deutschen Amazon-Standorten pro Person täglich Warenwerte von bis zu 23.000 Euro.

Enorme Verschwendung von Ressourcen

„Es geht nicht nur um die Verschwendung anstandsloser Waren. In jedem Produkt steckt auch Arbeitskraft, und zwar häufig aus Billiglohnländern, in denen unter katastrophalen, ausbeuterischen Bedingungen produziert wird“, erklärt Wohlgemuth. “ Dabei werden Flüsse verschmutzt und Wälder abgeholzt. Diese Verhältnisse muss man ändern, aber dafür muss man sie auch kennen. Doch diese enorme Verschwendung von Ressourcen ist den meisten Online-Käufern nicht bewusst: In einer Greenpeace-Umfrage wussten neun von zehn Befragten nichts von der Retouren-Vernichtung.

Die jetzt beginnende Zeit der Weihnachts-Einkäufe wäre möglicherweise eine gute Gelegenheit, beim Online-Shopping bewusster vorzugehen und zu versuchen, unnötige Käufe und Retouren zu vermeiden.

Quelle: Greenpeace

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