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Lithium-Reserven am Limit?

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Im Salzsee von Uyuni, Bolivien, schlummert eines der weltweit größten Lithium-Vorkommen. (Foto: Kseniya Ragozina/Thinkstock)
Die Energiewende soll nicht nur den massiven Ausstoß von Treibhausgasen beenden, sie soll Deutschland auch unabhängig machen von Öl- und Gasimporten. Doch auch die Rohstoffe für saubere Technologien müssen importiert werden – zum Beispiel Lithium. Noch ist unklar, ob der enorme Bedarf künftig gedeckt werden kann.

Klar ist, dass an Lithium zunächst kein Weg vorbeiführt. Es ist das leichteste Element, das bei Raumtemperatur und Atmosphärendruck im festen Zustand vorliegt – Wasser ist etwa doppelt so schwer. Daher ist Lithium hervorragend geeignet für Akkus, bei denen es jedes unnötige Gramm Gewicht zu vermeiden gilt. Heutige Lithium-Ionen-Akkus können im Vergleich mit Blei-Akkus bei selber Masse etwa die doppelte Menge Energie speichern. So wird mit der wachsenden Nachfrage nach leistungsstarken Batterien in den nächsten Jahren auch der Lithium-Bedarf in die Höhe schnellen.

Die Herstellung verschlingt Wassermassen

Um diesen zu decken, muss auch die Lithium-Förderung zulegen. Heute stammen etwa zwei Drittel der weltweiten Gewinnung aus Chile, das zusammen mit Bolivien auch über rund zwei Drittel der weltweiten Ressourcen verfügt. In Chile stößt die Förderung allerdings schon heute an ihre ökologischen Grenzen: Ähnlich wie beim Abbau von Meersalz werden bei der Lithium-Produktion große Mengen Wasser, in denen der Stoff gelöst ist, in riesige Verdunstungsbecken gepumpt, aus denen das Wasser verdampft und Lithiumkarbonat hinterlässt. Das Wasser, das zuvor dem Grundwasser entnommen wurde, das in der 2500 Meter hoch gelegenen Wüstenregion ohnehin Mangelware ist, verschwindet in der Atmosphäre.

Abbau in eigener Sache

In Bolivien sieht die Sache anders aus: Das Land hat eine jahrhundertealte Geschichte der Ausbeutung hinter sich, in der Kolonialmächte die riesigen Bodenschätze an der Bevölkerung vorbei gefördert und exportiert haben. Diesem Schicksal möchte sich das arme Land nicht weiter beugen und deshalb mindestens 60 Prozent der Wertschöpfung – also auch die Weiterverarbeitung zu Batterien und den Bau von Elektroautos – im Land behalten.

Bisher fanden sich aber kaum Unternehmen, die zu größeren Investitionen unter diesen Bedingungen bereit waren, weshalb Bolivien mit seinen begrenzten Mitteln zunächst in Eigenregie Förderung und Verarbeitung erprobte. Erst Ende Mai gab ein Unternehmen aus Thüringen bekannt, den Zuschlag für den Bau einer Förderanlage erhalten zu haben.

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Eilige Suche nach neuen Vorkommen

Auch außerhalb Südamerikas gibt es Lithium-Vorkommen: In Nordamerika, China und Australien wird schon heute gefördert, in Deutschland und Österreich soll bald damit begonnen werden. In diesen Vorkommen liegen Lithiumgehalt und -mengen allerdings weit unter den Quantitäten in den Anden. Oft lagert das Lithium zudem tief unter der Erde eingeschlossen in Pegmatit, also in erkaltetem Magma. Das macht den Abbau kompliziert und teuer.

Sicherlich werden in den kommenden Jahrzehnten neue Vorkommen entdeckt, Fördermethoden günstiger und effizienter, und das Recycling altersschwacher Batterien wird dabei helfen, die Ausbeute bei der Förderung zu steigern. Auch die Preisentwicklung von Lithium, das heute doppelt so teuer ist wie vor fünf Jahren, wird diesen Trend beschleunigen. Unklar bleibt, ob genügend Lithium zu wirtschaftlichen Preisen zur Verfügung steht – und ob unsere Gesellschaft mit der Elektromobilität womöglich aus einer Rohstoffabhängigkeit in die nächste schlittert.

© wissenschaft.de – Felix Austen
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