Schleichwege durchs Universum - wissenschaft.de
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Schleichwege durchs Universum

Physiker erforschen Wurmlöcher als kosmische Abkürzungen. In Einsteins Relativitätstheorie gibt es Schlupflöcher, die scheinbar überlichtschnelles Reisen erlauben. Mit exotischer Materie könnte der Traum vom Flug zu den Sternen Wirklichkeit werden.

Bisher können wir unsere kosmische Isolation nur in der Phantasie überwinden. Selbst wenn es gelänge, interstellare Archen auf die Reise zu schicken oder wagemutige Astronauten über Jahrtausende einzufrieren und erst am Ziel wieder aufzuwecken, wären diese Ausflüge in unsere unmittelbare kosmische Nachbarschaft nur im Schneckentempo möglich. Auch fortgeschrittene Antimaterie-Antriebstechnologien könnten die „Mauer“ der Lichtgeschwindigkeit aufgrund der Gesetze der Speziellen Relativitätstheorie Albert Einsteins niemals erreichen, da hierfür unendliche Energiemengen erforderlich wären.

Einsteins Relativitätstheorie gestattet aber im wahrsten Sinn des Wortes ein Schlupfloch für überlichtschnelle Reisen. Kip Thorne vom California Insitute of Technology in Pasadena gelang es zusammen mit seinem Doktoranden Michael Morris zu beschreiben, wie zwei weit entfernte Regionen im All miteinander in Verbindung stehen könnten. Solche Raumzeit-Tunnel waren früher schon von anderen Wissenschaftlern untersucht worden, sogar von Albert Einstein selbst. Thornes einstiger Doktorvater John Archibald Wheeler, der an der amerikanischen Princeton University lehrte, und auf den der Begriff „Schwarzes Loch“ zurückgeht, hatte sie 1957 mit den Löchern von Würmern in Äpfeln verglichen und als „Wurmlöcher“ bezeichnet.

Diese Gebilde lassen sich möglicherweise als Abkürzungen benutzen, um ferne Regionen im All zu erreichen oder sogar in andere Universen vorzustoßen. Dadurch könnte man die Barriere der Lichtgeschwindigkeit austricksen. Für intergalaktische Raumflüge sind allerdings spezielle Voraussetzungen erforderlich, die eine sichere Durchfahrt gewährleisten: – Das Wurmloch muß stabil sein. – Die Gravitationskräfte müssen klein sein. – Die Reise durch das Loch darf maximal ein Jahr dauern. – Die Konstruktion eines Wurmlochs muß in einem vertretbaren Zeitraum möglich sein und keine unendlichen Mengen an Materie und Energie verschlingen.

Bislang tappen die Theoretiker noch weitgehend im dunkeln. Das hindert sie freilich nicht daran, über Anwendungen von Wurmlöchern zu spekulieren. Solche Raumzeit-Verbindungen würden sich nicht nur dazu eignen, um schnell riesige Strecken zurückzulegen, ferne Welten zu besiedeln und andere Völker der Galaxis zu besuchen. Wurmloch-Passagen lassen sich vielleicht auch in Schwarze Löcher legen. Damit wäre es möglich, Ausflüge in die Schwerkraftfallen zu unternehmen, diese zu erkunden und wohlbehalten wieder zurückzukehren.

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Vor allem aber könnte man Materie und Energie aus den Schwarzen Löchern heraussaugen und über die Wurmloch-Pipelines direkt an die Verbrauchsorte transportieren. Alle Energieprobleme wären ein für allemal gelöst.

===Rüdiger Vaas
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