Tolle Erfindung: Nervige Kommentare beim Autofahren auch ohne Beifahrer - wissenschaft.de
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Tolle Erfindung: Nervige Kommentare beim Autofahren auch ohne Beifahrer

Ein neues autointernes Computersystem soll Autofahrer künftig warnen, wenn sie zu schnell fahren. Das „Driver Assistance System“, kurz DAS, erkennt Verkehrszeichen und ermahnt den Fahrer, sie nicht zu ignorieren. Über diese Entwicklung australischer Forscher berichtet das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausgabe vom 2. Oktober, S. 25). Mit dem DAS müssen sich Autofahrer in Zukunft eine andere Ausrede ausdenken als „Oh, ich hab gar keine Geschwindigkeitsbegrenzung bemerkt…“.

Das von Nick Barnes und seinen Kollegen vom Nationalen Labor für Informations- und Kommunikationstechnologie in Canberra entwickelte System arbeitet mit drei Kameras. Eine am Mittelrückspiegel angebrachte Kamera überwacht die Straße, während zwei Kameras an den Seiten des Armaturenbretts die Blickrichtung des Fahrers filmen. Ein hinter den Armaturen verborgenes Computersystem verarbeitet dann die Informationen aus den eingehenden Bildern, wobei es Verkehrszeichen anhand ihrer symmetrischen Form wie Kreis, Raute oder Dreieck erkennt. Zudem analysiert das System, wohin der Fahrer schaut und ob er ein Schild überhaupt gesehen haben kann. Angaben darüber, wie schnell das Auto fährt, erhält die Software über einen Geschwindigkeitsmesser.

Erkennt DAS zum Beispiel ein Stopschild, überprüft der Computer, ob sich die Geschwindigkeit verlangsamt. Wenn das System bemerkt, dass der Fahrer das Schild übersehen haben muss und sich das Tempo des Fahrzeugs nicht ändert, wird ein Warnsignal ausgelöst. Erste Versuche mit DAS verliefen selbst bei hohen Geschwindigkeiten vielversprechend, sagen die Forscher. Bei in Kürze anstehenden Probeläufen auf der Straße werden die Wissenschaftler das System dann mit weitaus mehr Verkehrzeichen testen.

Bedenken, dass die automatische Verkehrzeichenwarnung vor allem auf vertrauten Strecken schnell lästig werden könnte, kann Barnes prinzipiell nachvollziehen. Doch DAS warne den Fahrer nicht, wenn er lediglich ein Schild nicht gesehen hat, sondern nur dann, wenn die Anweisung ignoriert wird, kommentiert er. Außerdem könne das System auch individuell eingestellt werden, so dass es beispielsweise leichte Geschwindigkeitsüberschreitungen toleriert.

ddp/bdw ? Cornelia Dick-Pfaff
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Sei|den|spin|ner  〈m. 3; Zool.〉 Schmetterling, dessen Kokongespinste man zu Seidenfäden verarbeiten kann: Bombycidae

Gestern kam auf ARTE ein Beitrag über Homöopathie. Natürlich kann man sich fragen, ob es bei dem Thema überhaupt noch etwas Neues gibt. Von mir aus könnte man einen guten alten Fernsehbeitrag in Dauerschleife zeigen. Aber dem ARTE-Beitrag würde man damit doch Unrecht tun. Wie der Homöopathie-Kritiker Norbert Aust mit dem Hochhalten zweier Tafeln mit Punkten zum Ergebnis des berüchtigten Wasserlinsen-Experiments Baumgartners die angeblich so starken Effekte der Homöopathie homöopathisiert, verdient das Prädikat „pädagogisch wertvoll“, ebenso das Nebeneinanderstellen der Ergebnisdarstellung der ADHS-Studie von Frei in einer deutschen Homöopathie-Zeitschrift und in einer britischen pädiatrischen Zeitschrift.

Sehr aufschlussreich war auch ein am Ende des Films gezeigtes Fallbeispiel mit einer homöopathischen Schilddrüsenbehandlung. Die Patientin hat zunächst aus Angst die medizinisch angezeigte Behandlung abgelehnt und ging zu einer Heilpraktikerin, mit fatalen Folgen. Hier zeigt der Film allerdings auch eine Schwäche. Er endet nämlich kurz danach mit der Feststellung, die Medizin könne von der Homöopathie doch immerhin Achtsamkeit lernen. Das Fallbeispiel demonstriert aber gerade das Gegenteil. Viele Homöopathen sind nicht achtsam, sie ziehen ihren Stiefel durch, und koste es die Gesundheit ihrer Patienten (und ja, ja, es gibt auch Mediziner von der Sorte). Lernen kann man vielmehr, dass Zeit und Zusprache helfen können, das ist Teil dessen, was etwas irreführend oft unter „Placebowirkung“ abgehakt wird.

Dass Beiträge wie die ARTE-Sendung nicht überflüssig sind, zeigt sich aber noch viel besser in Kommentaren, die die Überflüssigkeit solcher Beiträge behaupten. In der Frankfurter Rundschau leitet Hans-Jürgen Linke seinen Kommentar zur Sendung damit ein, man hätte doch inzwischen oft genug gehört, dass in den homöopathischen Mitteln nichts drin sei. Und dann spult er das ganze Repertoire dessen ab, was man inzwischen oft genug von den Homöopathen gehört hat:

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„Gönnerhaft wird die Wirkung einer homoöpathischen Medizin auf den beliebten Placebo-Effekt geschoben, mit anderen Worten: Das alles funktioniere nur, wenn und weil daran geglaubt wird und der Körper unter diesem Einfluss Selbstheilungskräfte in Gang setzt. Wenn das aber alles wäre, bliebe immer noch die Frage offen, warum die herkömmliche Medizin sich diesen Effekt nicht zunutze machen kann oder will?“

Erstens funktionieren Placebos nicht nur, wenn man daran glaubt. Das hätte Linke wissen können, wenn er die ARTE-Sendung im wachen Zustand angesehen hätte. Der Marburger Psychologe Winfried Rief hat nämlich genau dazu über neue Forschungsergebnisse zu offener Placebo-Gabe berichtet. Und zweitens macht sich natürlich auch die „herkömmliche Medizin“ diesen Effekt zunutze, das lässt sich gar nicht vermeiden.

Es folgt ein Klassiker der Homöopathie-Verteidigung gegen den Hinweis auf die Erklärung durch Placebo:

„Dass auch Fälle bekannt sind, in denen homoöpathische Medizin Kindern hilft, denen man Gläubigkeit noch nicht einreden konnte; dass sie Tieren hilft, denen Glaubensfragen eher fremd sind, ist mit dem Placebo-Effekt nur schwer zu erklären.“

So oft das auch behauptet wird, immer wieder, vermutlich weil es gut verfängt, so falsch bleibt es. Natürlich gibt es Placebo-Wirkungen bei Kindern und Tieren, Placebo by proxy genannt, auch der Begriff fiel in der Sendung. Ob Herr Linke die Sendung überhaupt gesehen hat? Über eine homöopathische Dosis hinaus? Herr Linke: Googeln Sie mal nach dem „Klugen Hans“, vielleicht lernen da selbst Sie noch was.

Dann kommt ein Argument, bei dem man ins Zweifeln kommt, ob der Autor nach dem Abitur je noch etwas Wissenschaftliches gelesen hat:

„Die Beweiskraft von Studien heranzuziehen, ist nicht ganz unproblematisch, wenn zuvor die Beweiskraft von anderen Studien in Zweifel gezogen werden muss; am besten sollte man nur den Studien Glauben schenken, die man selbst gefälscht hat.“

Wie bitte, wenn nicht anhand von Studien, soll man denn andere Studien in Zweifel ziehen? Und natürlich soll man nicht den Studien glauben, die man selbst gefälscht hat – wie blöd ist das denn? Man soll auch nicht denen glauben, die andere gefälscht haben und auch nicht denen, die andere schlecht gemacht haben. Herr Linke, Sie werden es nicht glauben, aber Sie sollten nur den Studien Glauben schenken, die sich als die besseren und aussagekräftigeren Studien erwiesen haben. Welche das sind, ist wiederum keine Glaubenssache, dafür gibt es Kriterien.

fo|to|gra|fisch  〈Adj.〉 die Fotografie betreffend, zu ihr gehörend, auf ihr beruhend, mit ihrer Hilfe; oV photographisch ... mehr

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